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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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3. Fastensonntag 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Die Lebensgeschichte des hl. Gabriel Possenti, der im 19. Jahrhundert lebte, ist sehr eigenartig. Als Student wurde er einmal sehr schwer krank. Den Tod vor Augen kam ihm zum ersten Mal der Gedanke, sein Leben ganz Gott zu weihen, wenn er überlebt. Er wurde wieder gesund und vergaß seinen Vorsatz. Nach einiger Zeit wurde er erneut krank und von einer tückischen Halsentzündung befallen, die sich während einer Nacht so steigerte, dass er in der Gefahr schwebte, zu ersticken. Wieder fasste er den gleichen Vorsatz wie das erste Mal, ist in einer ganz auffallenden Weise gesund geworden und vergaß erneut seinen Entschluss. Nicht lange darauf geschah es auf der Jagd, dass sich bei einem unglücklichen Sturz sein Jagdgewehr, das er über der Schulter trug, versehentlich losging und die Kugel die Stirn streifte. Es fehlte nur wenig, und sie wäre ihm durch den Kopf gegangen. Tief erschüttert erneuerte er sein Versprechen, um es bald darauf wieder in den Zerstreuungen des Alltags zu ersticken. Es folgte der vierte Schlag, der ihn am schmerzlichsten treffen sollte. Seine Schwester Maria, die er am liebsten hatte, fiel einer Choleraepidemie zum Opfer und starb.  Erst jetzt wollte er sein Versprechen einlösen, aber sein Vater war dagegen und konnte ihn erneut von diesem Entschluss abbringen. Ein Jahr später kam die endgültige Wende. Als er ein Muttergottesbild betrachtete, hörte er in seinem Innern die Worte: „Auf dich wartet der Ordensstand.“ Dieses Erlebnis machte all seine Zweifel zunichte, er folgte endlich dem Ruf und er trat in den Passionistenorden ein.

Gott hatte viel Geduld mit ihm und gab ihm immer wieder Zeichen.

Das Gleichnis vom Feigenbaum zeigt uns ebenfalls so schön die Langmut Gottes. Die göttliche Langmut ist die unendliche Geduld Gottes, der „Wille zu warten“, bis der Mensch die erhoffte Frucht bringt. Gott wartet oft lange geduldig und hofft, dass sich der Mensch zu ihm bekehrt. Gott wartet wirklich oft lange. Wir Menschen hätten sicher nicht so viel Geduld. Aber eines ist sicher. Gott wartet nicht ewig.

Warum wartet Gott? Warum gibt er dem Feigenbaum noch ein Jahr? Es sind ja schon 3 Jahre? Er bringt keine Frucht mehr. Da ist alles Hoffen umsonst. Er gehört umgehackt. Nein, ein letztes Mal noch! Alles tut der Weingärtner. Er will den Boden herum aufgraben und düngen. Er will sich in besonderer Weise um ihn kümmern. Alles tut auch Christus. Er wird sich in besonderer Weise um den Sünder annehmen und kümmern. Er wird geduldig warten auf seine Umkehr.

Warum? Die Seele ist Gott so kostbar, dass er zuerst alles versucht, sie an sich zu ziehen. Die Strafe am Ende ist nämlich schwer und furchtbar.

Warum wartet Gott noch oft so lange? Gott wartet bis zur Ernte, um nicht auch wertvolles Saatgut zu schädigen. Manches muss erst zum Guten reifen. Letztendlich ist Gott gut, darum straft er nicht gern und nicht überstürzt.

Aber Gott wartet, wie gesagt, nicht ewig. Auch das ist Gott. Unser Gott ist ein Gott, der die sündige Welt durch die Sintflut vernichtete; ein Gott, der Sodom und Gomorra in Schutt und Asche legte, weil sie sich nicht bekehren wollten; ein Gott, der die Streitmacht der Ägypter im Roten Meer ertränkte, nachdem der Pharao nicht einlenkte usw.

Warum wartet Gott nicht ewig? Der Grund ist einleuchtend. Gott ist ein langmütiger, aber auch ein heiliger und gerechter Gott. Das von ihm festgesetzte Ende seiner Langmut ist sicher der Tod des Menschen. Den genauen Zeitpunkt aber kennt nur Gott, nicht der Mensch. Daher ist es ein gewagtes Unternehmen, wenn wir mit Gottes Langmut spielen und Zeit verstreichen lassen, in der Sünde bleiben, obwohl das Gewissen uns schon längst mahnt umzukehren.

Jetzt in der Fastenzeit ruft uns Gott zu: Ich habe schon lange gewartet. Es ist noch nicht zu spät umzukehren. Ihr sollt Frucht bringen. Gott möchte uns in diesen Tagen dazu die Gnade schenken. Wir müssen nur unser Herz dafür öffnen. Durch eine gute heilige Beichte sind wir aufgerufen, die Seele wieder zu reinigen und das Gewissen von den Sünden zu befreien.

Die Langmut Gottes ist eine aufrüttelnde Mahnung an uns, mit Gottes Geduld nicht zu spielen, sondern die Zeit nützen, uns Gott erneut hinwenden und reuevoll seine Liebe zu suchen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019