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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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4. Fastensonntag 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Wie und wer ist Gott? Das zeigt uns Jesus sehr schön im Gleichnis vom verlorenen Sohn oder besser vom barmherzigen Vater. Es wird uns ein Gottesbild vermittelt, das uns besonders 3 Wesensmerkmale Gottes erkennen lässt.

1. Gott ist ein liebender Gott, der uns Menschen ebenfalls die Möglichkeit zu lieben geschenkt hat und deswegen in Freiheit erschaffen hat, der uns die Freiheit in unserem Handeln lässt und der möchte, dass wir ihn in Freiheit lieben. Er ist ein Gott, der keinen Menschen zwingen wird, ja der keinen Menschen zwingen kann. So lässt der barmherzige Vater seinen Sohn ziehen. Er gibt ihm sogar seinen Anteil am Erbe mit. Er zahlt es ihm schon im Voraus.

Immer wieder kommt die Frage. Warum lässt Gott das Übel zu? Warum gibt es die Sünde? Warum ist die Welt so böse? Warum sündigt der Mensch? Es gibt nur eine Antwort: Gott zwingt keinen zum Guten! Wir sind frei! Gott möchte, dass wir ihn in aller Freiheit lieben. Liebe mit Zwang gibt es nicht und daher kann der Mensch diese Freiheit missbrauchen. Der jüngere Sohn ist frei. Er verlässt das Vaterhaus. Er begibt sich auf den Weg der Sünde.

2. Das nächste Wesensmerkmal Gottes ist seine Langmut, seine Geduld, (die ich letzten Sonntag bereits erwähnt habe, als wir das Gleichnis vom Feigenbaum hörten, der noch ein Jahr die Möglichkeit bekam, Frucht zu bringen.) So hat auch hier der barmherzige Vater Geduld. Er wartet sehnsüchtig auf seinen Sohn. Es heißt, er sah ihn von weitem kommen. Was bedeutet das? Er stand nicht zufällig gerade an diesem Tag vor der Tür und sah ihn gerade zurückkehren. Nein, der Vater stand wahrscheinlich jeden Tag lange Zeit vor seinem Haus und hoffte auf die Rückkehr des Sohnes. Es war ein geduldiges Warten. So wartet Gott auch auf jeden Sünder. Er wartet geduldig, dass er umkehrt, dass er wieder zu ihm zurückkehrt.

3. Das dritte Wesensmerkmal Gottes ist die Barmherzigkeit! Gott ist der barmherzige Vater, der niemanden zurückweisen wird, wenn er seine Sünden bereut. Wir wissen, dass Gott uns wieder aufnimmt, wenn wir umkehren, wenn wir bekennen, dass wir gesündigt haben. Reumütig kehrte der verlorene Sohn um und bat demütig, dass er als Knecht angenommen wird.

Aber bis zu diesem Schritt war es ein langer Weg. Tief musste er fallen, bis er dann von der Gnade Gottes doch noch „erwischt“ wurde, bzw. bis er bereute. 3 kleine Wunder sind da geschehen.

1. Der verlorene Sohn dachte nach über den Vater. Er ging in sich und sehnte sich zurück nach dem zuhause. „Denen daheim geht es besser.“ Wie viele verschwenden in der heutigen Zeit keinen Gedanken an Gott. Wie viele beten nicht mehr. Es gibt oft kein Morgengebet mehr, kein Tischgebet mehr, kein Abendgebet mehr. Nehmen wir die regelmäßige Sonntagsmesse ernst? Oder gehen wir nur, wenn wir dazu aufgelegt sind? Wenn man müde ist, bleiben viele lieber im Bett. Es ist dies ein Zeichen, dass uns Gott wenig wichtig ist, dass wir zu wenig nachdenken.

Das zweite Wunder ist dann, dass Gott ihn auch aufbrechen lässt. Es bleibt nicht nur beim Gedanken, sondern es folgt auch die Tat. Bei wie vielen bleibt es nur beim guten Vorsatz: „Jetzt muss ich doch einmal wieder beichten gehen.“ Aber die Tat fehlt. Man schiebt es immer wieder auf und je länger man nicht war, desto schwerer wird es wieder den Weg in den Beichtstuhl zu finden, bis man plötzlich mit Schrecken merkt, ich war ja vielleicht seit der Hochzeit nicht mehr beichten. Der verlorene Sohn bricht wirklich auf und geht zu seinem Vater zurück.

Das dritte Wunder ist dann das persönliche Bekenntnis. Der verlorene Sohn öffnet nun auch seine Lippen und bekennt sich zu seinen Sünden. Er gesteht sein Unrecht ein. Er rechtfertigt nicht seine Sünden. Er sucht keine Ausreden. Nein, er will sogar Sühne leisten. Er will seine Sünden wiedergutmachen: Mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Ich bin in deiner Schuld und will Buße tun.

Nun sind alle erforderlichen Elemente für eine Beichte vorhanden. Gott, der barmherzige Vater kann ihm verzeihen und kann ihn wieder annehmen. Unbeschreibliche Freude kommt hoch. Es muss ein Fest gefeiert werden. So freut sich der ganze Himmel über den Sünder, der umkehrt. Diese Freude soll auch den älteren Sohn erfüllen. Er soll sich nicht verschließen, sondern soll ebenfalls verzeihen können und sich mitfreuen, sodass ein gemeinsames Fest gefeiert werden kann.

Ein schönes Gottesbild wird uns also im heutigen Gleichnis vermittelt. Gott schenkt in seiner großen Liebe uns die Möglichkeit ihn in Freiheit zu lieben. Er wartet sehnsüchtig mit Geduld auf die Umkehr und Gott ist barmherzig. Zu diesem Gott dürfen wir beten. Er ist wirklich der barmherzige Vater, zu dem wir immer kommen dürfen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019