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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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5. Fastensonntag 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Tröstlich sind die Worte Jesu an die Frau: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sündige fortan nicht mehr.“

Welche Freude muss diese Frau, die noch vor wenigen Minuten die Todesangst spürte, wohl in ihrem Herzen gehabt haben, als sie erstens nicht gesteinigt wurde, mit dem Leben davonkam und dann das noch viel größere Geschenk Jesu bekommen hat? Auch Jesus verurteilt sie nicht; auch Gott nicht.

„Sündige nicht mehr!“ Das wird sie sich sicher zu Herzen genommen haben.

Gerade jetzt vor Ostern, vor dem größten Fest unseres Glaubens, dem Fest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, ist es sinnvoll sein Herz zu prüfen, in sich zu gehen und sich zu fragen. „Bin nicht auch ich da oder dort schuldig geworden?“ Wir alle sind sündige Menschen, und wir alle brauchen die Verzeihung Gottes. Die Fastenzeit und besonders die vor uns stehende Karwoche soll Anstoß sein, uns die Frage zu stellen, mit was wir das Kreuz Jesu beladen haben. Jede Sünde hat das Kreuz Jesus schwer gemacht, hat er symbolisch hinaufgetragen nach Golgota, auf dem Berg seines Todes, seiner Kreuzigung. Nur wenn man mit Jesus den Kreuzweg geht, kann man auch mit ihm die Auferstehung feiern.

Wo haben wir gesündigt? „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Wahrscheinlich hat Gott den Schriftgelehrten in diesem Augenblick ihren eigenen Seelenzustand drastisch gezeigt. Sie erkannten plötzlich, dass sie selbst auch sündige Menschen sind und vielleicht sogar noch schlimmeres auf dem Kerbholz hatten. Sie dachten eventuell: „Oh, hoffentlich wird das und das nicht bekannt.“ Und beschämt schlichen sie sich davon.

Wie oft sehen wir die Sünden anderer Menschen? Wie oft erzählen wir uns die Sünden der Menschen und urteilen bzw. verurteilen? Und wie oft versuchen wir dann damit unser Tun zu rechtfertigen? Nehmen wir das Wort Jesu ernst! Beseitige zuerst den Balken in deinem Auge, bevor du den Splitter im Auge deines Nächsten angreifst. Aber warum sehen wir oft nur die Sünden anderer und urteilen? könnte man sich fragen. Ich denke, wir brauchen manchmal diese Sünden der anderen, damit wir uns selbst in ein besseres Licht rücken können und gut dastehen.

Aber nehmen wir die Aussage dieses Evangeliums ernst: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

Und das zweite ist die Vergebung: Vergebt! Können wir ebenfalls vergeben? Bin auch ich bereit, dem anderen die Möglichkeit zu geben neu anzufangen? Interessant ist, dass ein Zeichen der Reue von der Ehebrecherin fehlt, bzw. nicht im Evangelium steht. Die Reue ist unverzichtbar für eine Lossprechung und für eine Vergebung. Die Frau hat sie aber sicher gehabt. Entscheidend und wichtig ist hier etwas anderes. Wir sollen lernen, dass nicht wir es sind, die richten und urteilen, sondern, dass wir es letztlich Gott überlassen sollen. Er ist der gerechte und barmherzige Richter über Lebende und Tote. Nehmen wir ihm das nicht ab, und setzen wir uns nicht an die Stelle Gottes. Er weiß ein bisschen mehr. Er weiß, wie es dazu kam, dass sie die Ehe gebrochen hat. Er kennt ihre anderen Schwierigkeiten noch, die sie vielleicht gehabt hat. Was hat sie für einen Ehemann? Wieviel Schuld hat ihr sogenannter Freund oder Verführer? Das sind alles Fragen, die wir nicht wissen und die nur Gott weiß, und er wird ein gerechtes Urteil fällen. Er kennt auch ihre Reue und auch ihre Liebe zu Gott. Er weiß, inwieweit sie zugestimmt hat zum Ehebruch und inwieweit ihre Freiheit nicht beeinträchtigt war. Hüten wir uns also zu urteilen. Gott wird einmal gerecht richten. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019