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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Christi Himmelfahrt 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Oftmals ist Jesus auf einen Berg gestiegen. Nicht immer war es ein schönes Erlebnis wie auf dem Berg Tabor. Der schwerste und bitterste Gang war sicherlich der Berg Golgota. Zuvor finden wir ihn Blut schwitzend auf dem Ölberg. Von diesem Ölberg aus, wo sein bitteres Leiden anfing, fuhr er vor den Augen seiner Apostel auch in den Himmel auf. Alle schauten voll Staunen ihm nach, bis eine Wolke ihn ihren Blicken entzog. Vielleicht wäre der eine oder andere gern mit ihm gleich mit hinaufgefahren, aber ihre irdische Pilgerschaft war noch nicht zu Ende.

Wir wären sicherlich schon glücklich, wenn wir hier dabei sein hätten dürfen, wenn wir es mit ansehen hätten dürfen. Aber das „nach oben schauen“ bringt uns nicht nach oben, weder auf einen Berg, geschweige in den Himmel. Die Apostel blickten fasziniert nach oben. Vielleicht auch ein wenig ratlos und traurig. Da standen plötzlich zwei Engel neben ihnen und sagten: Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor. Kehrt nach Jerusalem zurück. Tut, was der Herr euch aufgetragen hat. Dann werdet ihr ihn auch im Himmel wiedersehen.

Das gilt auch für uns. Nur in den Himmel blicken ist zu wenig. Das „in den Himmel hinaufschauen“ hat keinen Wert. Wir wollen ihm nicht in erster Linie nachschauen, sondern nachleben, ihm nachfolgen, ihm jeden Tag ein bisschen ähnlicher werden, dann werden wir ihm einmal auch diese Strecke in den Himmel nachfolgen.

Jesus ist uns nur vorausgegangen, um uns eine Wohnung zu bereiten. Er will uns alle einmal dort haben. Wie aber kommen wir in den Himmel?

Die Antwort gibt uns die zweite Katechismusfrage, die lautet: Was müssen wir tun, um in den Himmel zu kommen. Es sind dies die 4 „G“. Um in den Himmel zu kommen muss ich, 1. an Gott glauben, 2. seine Gnadenmittel gebrauchen. (die 7 Sakramente), 3. seine Gebote halten und 4. das Gebet.

Daher ist es zu wenig, wenn wir nur in den Himmel hinaufschauen. Da müssen wir auch etwas dafür tun. Über den 10 Geboten steht das Liebesgebot. Wir müssen Gott lieben und wir müssen den Menschen lieben. Dieses Doppelgebot der Liebe ist wie 2 Flügel, die uns sicher emportragen vom Ölberg dieser Erde zur Ewigkeit des Himmels.

Dazu gibt es ein schönes Märchen mit einem tiefen Sinn. Ein armer Bub kam mit einem bösen Höcker zur Welt. Verkrüppelt und schwächlich blieb er immer hinter den anderen Kindern zurück. Wenn die anderen spielten, musste er wehmütig zuschauen, weil er nicht mitmachen konnte. Manchmal wurde er wegen seines Buckels sogar verspottet. Eine Kinderkrankheit brachte ihm, man möchte fast sagen, die Erlösung. Im Märchen heißt es weiter: Als man seinen kleinen Sarg ins Grab hinablassen wollte, da sprang auf einmal der Deckel auf, und aus dem Grab schwang sich ein wunderschönes Englein auf goldenen Flügeln zum Himmel empor. Die goldenen Flügel kamen aus dem verkrüppelten Rücken des Buben heraus. Sein Höcker hatte die Himmelsflügel in sich, die ihn jetzt zum Himmel hinauftrugen, wo es keine Leiden und keinen Spott mehr gab.

Still ertragenes Leid aus Liebe zu Gott, wird uns in den Himmel bringen. Jesus selbst, der uns im „Leid tragen“ Vorbild ist, wird uns dann hinaufhelfen.

Heute, am Fest Christi Himmelfahrt, soll unser Blick schon nach oben schweifen, wollen wir schon zum Himmel blicken, aber nicht nur. Wir wollen dann auch das tun, was Jesus uns aufgetragen hat. Wir wollen die Gebote halten, damit auch wir dorthin gelangen, wo Jesus uns nur vorausgegangen ist. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019