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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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12. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Für wen halten die Leute den Menschensohn? Es wäre interessant, eine Umfrage in unserer Pfarre zu machen, was da rauskommt. Damals meinten einige, er sei vielleicht Johannes der Täufer, der von Herodes getötet wurde und nun wieder auferstanden ist. Wir feiern das Geburtsfest morgen, am 24.6. Neben der Gottesmutter ist er der einzige Heilige, dessen Geburtsfest wir feiern. Die Kirche will damit hinweisen, dass er ein großer Heiliger ist.

Wenn wir Johannes untersuchen und uns seine Botschaft ins Gedächtnis rufen, wissen wir genau, was er über sich und über den Messias sagt. Er wird ja gefragt: Bist du der Messias? Seine Antwort war: Nein, ich bin ein Rufer in der Wüste. Bereitet den Herrn den Weg. Im Advent begegnet er uns deshalb häufig.

Wir sehen, dass er der große Vorläufer ist, der unaufhörlich hinweist auf den, der kommen wird und auf die Größe dieses Menschen. Wir erkennen dies in seinen Aussagen: Ich bin nicht wert, ihm die Sandalen zu öffnen. Ich müsste von dir getauft werden. Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Eine große Ehrfurcht vor dem Sohn Gottes möchte er uns damit mitteilen.

Schließlich schickte er seine eigenen Jünger zu Jesus. Welch eine Demut! Er muss wachsen, ich aber geringer werden. Nicht ich bin wichtig, sondern Jesus ist der Messias Gottes. Die Demut dieses großen Propheten zeigt sich in seinem Verhalten. Jesus ist der Sohn Gottes, der Messias, auf den die Juden schon so lange gewartet haben, der die Menschheit erlöst!

Johannes der Täufer war der erste, der dieses Bekenntnis ablegt. Er ist bereits tot, als Jesus seine Jünger fragt: Für wen haltet ihr mich? Nun ist es Petrus, der die richtige Antwort gibt.

Im Lukasevangelium kommt nun eigenartigerweise nicht die bekannte Stelle von Cäsarea Philippi, bei der Jesus dieses Bekenntnis lobend verstärkt und Petrus die Schlüssel des Himmelreiches übergibt. Nein, im Lukasevangelium kommt ein Hinweis, was mit ihm geschehen wird. Wir erfahren, wer dieser Messias ist und wie er ist: Er wird leiden müssen. Er wird getötet werden und auferstehen. Und dann hören wir den eindringlichen Aufruf zur Kreuzesnachfolge.

Er möchte den Aposteln erklären, warum er auf die Welt gekommen ist. Er ist kein Messias, der mit Triumph und Macht die Römer aus dem Land wirft, wie sie sich es gewünscht hätten. Er ist kein weltlicher Herrscher, sondern er ist der König des Himmels, der Sohn Gottes, der auf die Erde kommt, um die Menschen von den Sünden durch seinen Kreuzestod zu erlösen.

Zugleich hören wir den Wunsch der Kreuzesnachfolge: Wer mein Jünger sein will, der nehme täglich sein Kreuz auf sich.

Ein echter Jünger Jesu ist keiner, der zurückschreckt, wenn es mühsam wird. Ein echter Jünger Jesu ist einer, der mutig und furchtlos in die Zukunft schaut, auch wenn der Weg mit Not und Leid gepflastert ist. Er wird diese Kreuze auf sich nehmen aus Liebe zu seinem Herrn, der das Kreuz uns vorausgetragen hat. In der Gewissheit, dass auch auf ihn die Auferstehung wartet: die ewige Herrlichkeit. Jesus lädt uns ein, mit ihm diesen Weg des Kreuzes zum Leben und zur Auferstehung zu gehen.

Er sagt dazu: Mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht. Wenn wir auf das Kreuz Jesu schauen, wird es leichter. Wenn wir nicht hinschauen, bleiben die Kreuze dennoch, mit dem Unterschied, dass wir den Trost Jesu nicht haben. Amen.

 


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019