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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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13. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

In der Lesung kommt öfter das Wort Freiheit vor. „Ihr seid zur Freiheit berufen!“ „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ Da der heilige Paulus öfter über die wahre Freiheit spricht, möchte ich sie heute thematisieren.

Was heißt Freiheit? Damals wie heute war die falsche Definition von Freiheit oft: Freiheit ist, tun und lassen können, was man will! Ist das aber wirklich die glückbringende Freiheit? Bzw. wo endet die Freiheit des Einzelnen. Sie kann ja nicht unbeschränkt sein. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit waren die Schlagwörter der Französischen Revolution, leider auch oft mit einem falschen Verständnis von Freiheit.

Wir müssen uns bewusst machen, dass es eine Freiheit gibt, die Gott nicht will, weil sie auf einer Lüge aufbaut.

Gott selbst ist das absolut freie Wesen. Er ist im vollen Besitz einer Freiheit, die keine Grenze kennt. Gott kennt aber im Vollbesitz seiner Freiheit keine Lüge. Der Mensch ist auch frei. Allerdings im Unterschied zu Gott nicht nur zum Guten, sondern auch zum Bösen. Der Mensch kann vom Guten abfallen und sich dem Bösen zuwenden. Er kann sagen: Ich bin frei, also kann ich tun, was ich will. Ich anerkenne kein Gesetz außer mir und über mir. Ich bin mir selbst Gesetz. Doch wenn er diese Freiheit in Anspruch nimmt, bekommt er Probleme. Er kann nicht das Gesetz der Schwerkraft außer Kraft setzen. Wenn er meint, das geht und irgendwo herunterspringt, wird er im Leichenhaus landen. Er kann nicht die Denkgesetze umstoßen. Er würde im Irrenhaus landen. Er kann nicht die großen Sittengesetze außer Kraft setzen. Die Gemeinschaft würde etwas dagegen tun, und er landet eventuell sogar im Gefängnis.

Wer diese Freiheit zum Bösen für sich in Anspruch nimmt, wird in Wirklichkeit nicht frei, sondern wird zum Sklaven der Sünde. Er baut damit nicht auf der Wahrheit, sondern auf einer Lüge auf, und zwar auf einer Lüge, die zum Abgrund führt.

Immer wieder entdecken wir in der Bibel Aussagen, dass die Freiheit nicht grenzenlos ist. Aber grundsätzlich bejahen und verteidigen wir natürlich die Freiheit. Doch ist es nicht immer leicht zu sehen, wo die wahre Freiheit aufhört und die Freiheit der Zügellosigkeit beginnt, z.B. bei Pressefreiheit, Freiheit der Kunst, Freiheit der Meinungsäußerung, usw.

Heftig diskutiert wurde das Rauchverbot in Gasthäusern. Wie stark soll der Staat auf die Gesundheit des Menschen einwirken, in dem er seine Freiheit beschränkt?

Ein wacher Christ wird in vielen Fragen die Grenzen der Freiheit anders beurteilen, wie ein gottloser Mensch.

Für viele in der heutigen Zeit ist auch Bindung nicht mehr Freiheit und daher scheuen sie sich davor. Wer die Bindung in der Ehe als Einschränkung seiner Freiheit sieht, hat die Freiheit falsch verstanden. Auch die Ordensleute haben freiwillig sich bestimmte Bindungen aufgelegt und sind deswegen nicht unfrei, weil sie manches nicht tun dürfen. Im Evangelium wo es um die konkrete Nachfolge geht, fordert Jesus sogar manche für uns sogar notwendige Dinge, ja Liebesdienste an die zweite Stelle zu setzen, wenn man ihm in Freiheit ganz nachfolgen will. Wir tun uns schwer mit solchen Sätzen und Forderungen. Doch geht es ihm um die radikale Nachfolge in Freiheit, die nicht aufgeschoben werden soll.

Was ist also Freiheit? Davon sind wir ausgegangen. Wir können sicherlich sagen, dass die wahre Freiheit in der Freude am rechten Tun besteht. Wer die Sünde liebt, ist Sklave der Sünde. Wer die Gebote hält, ist zwar Sklave Christi, aber doch in Wirklichkeit frei.

„Das Gesetz der Freiheit ist das Gesetz der Liebe“, könnte man auch sagen. Der heilige Augustinus sagte einmal: Liebe und tu was du willst! Nur Gott, der die Liebe ist, führt zu Freiheit. Diese Freiheit wollen wir anstreben und leben. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019