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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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16. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

„Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.“

Es klingt eigentlich sehr hart, was da Jesus der Marta vorwirft und wie er sie zurechtweist. Sie wollte doch bloß darauf hinweisen, dass ihre Schwester ihr helfen soll. Mir tut sie fast ein bisschen leid.

Marta oder Maria! Und Jesus entscheidet sich für die Maria, die ihm zuhört und die er dafür lobt, weil es das Bessere ist, bei Jesus zu sein!

Hätte sie doch geschwiegen! Hätte sie sich doch nicht beschwert, und Jesus hätte kein Wort gesagt und hätte ihr Tun genauso gewürdigt, wie das Tun der Maria. Nur durch die Beschwerde der Marta, so scheint mir, kam es zu dieser liebevollen Zurechtweisung.

Ich denke, wenn wir die beiden Frauen betrachten, gibt es nicht ein „entweder – oder“, sondern nur ein „sowohl – als auch“. Es gibt die Beterin und die Arbeiterin. Es gibt die fromme Maria und die fleißige Marta in jedem Menschen. Es gibt das Betrachten und das Tun in jedem Leben. Es gibt das „ora et labora“: das „bete und arbeite“. Beides ist wichtig in einem Christenleben. Beides ist notwendig. Beides zur rechten Zeit! Auch im Leben eines Priesters! Der Priester braucht Zeiten des Gebetes, und es gibt natürlich die Zeiten des Arbeitens.

Beide, Marta wie Maria, glaubten an den Herrn. Beide liebten ihn. Vielleicht hat die liebe Marta es mit der Bewirtung zu gut gemeint. Vielleicht war jetzt gerade die Zeit des Zuhörens, des Predigens, des Verkündens von Gottes Wort. Vielleicht sprach Jesu von seinem Vater im Himmel. Vielleicht sprach er von den ewigen Wahrheiten. Vielleicht sprach er über das, wozu er beauftragt war, und da gibt es momentan nichts Wichtigeres.

Manchmal wissen wir im konkreten Leben nicht, dass jetzt die Zeit ist, Maria nachzuahmen. Manchmal vergessen wir, dass der Sonntag, der Tag des Herrn ist, wo wir so wie Maria in der Kirche Jesus zuhören sollen, auf das Wort Gottes im Evangelium lauschen. So manchmal höre ich von wirklich guten Frauen: „Ich kann am Sonntag nicht in die Kirche gehen, weil wir Mittag Besuch bekommen und da muss ich am Vormittag unbedingt kochen, um das Beste auf den Tisch zu bringen. Ich kann unmöglich in die heilige Messe gehen. Ich habe nicht diese Stunde Zeit.“ Ich gab einmal auf diese Gründe die Antwort: Vielleicht können sie in die Samstag Abendmesse gehen! Da kam leider die Antwort: In die Vorabendmesse will ich nicht gehen. Ob nicht auch hier Jesus sagen will: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen. Aber nur eines ist notwendig am Sonntag. Maria, die am Sonntag in die Kirche geht, hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

Wir hören daraus die große Liebe, die Jesus zu Marta hat. Er schätzt ihr tun. Er weiss, um ihre Bemühungen und auch um ihre Liebe zu ihm. Doch es gibt die Zeiten, wo Jesus möchte, dass wir ihm zuhören und das sind für uns die täglichen Gebetszeiten und die Sonntagsmesse. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019