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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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18. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Dieses Evangelium hören wir in der Zeit, in der die Bauern schon einiges ernten. Der Mann, der größere Scheunen bauen will, scheint für uns ganz vernünftig zu sein. Warum soll er sich keine Vorräte anlegen, wenn die Ernte gut ist? Schon Joseph von Ägypten hat hier durch seine Vorsorge vielen Menschen sogar das Leben gerettet, sodass sie nicht verhungern mussten. Und doch wird der reiche Mann gerügt und als Narr beschimpft, weil ihm noch in dieser Nacht das Leben genommen wird.

Es ist also die Haltung falsch. Einerseits ist die Gier nach immer mehr zu verurteilen, andererseits dann auch die Faulheit, sich auszuruhen und nichts mehr zu arbeiten.

Für Jesus sind diese beide Haltungen falsch, denn beide Haltungen kommen aus einem Egoismus heraus. Das eigene Wohlbefinden ist hier vorrangig und der Blick zu den Armen ist bei diesem Mann verdeckt, der eine so gute Ernte hatte.

Es erinnert mich an unseren Heiligen Vater, Papst Franziskus, der uns die Armut wieder neu bewusst macht, und immer wieder in seinen Predigten uns daran erinnert, dass wir, besonders die, die Jesus ganz nachfolgen wollen, ein einfaches Leben führen sollen. Er sagt den Priestern eindringlich, sie dürfen nicht die neuesten Autos fahren und sollen bescheiden sein. Wenn sie anders handeln, dann sind sie kein Vorbild. Und auch sonst lebt er uns selbst einen einfachen Stil vor und macht seinem Namen alle Ehre, denn der heilige Franziskus hat das erkannt.

Als Franz von Assisi einmal sich von einem Fest entfernte, die Freunde ihn suchten und ihn dann abseits allein, ganz verträumt, fanden, fragten sie ihn, was er denn hat. Er schaue so verliebt aus. - Ja, er ist verliebt. - Dann sag uns den Namen deiner Freundin! Und er sagte: Es ist die Armut.

So wie die Freunde des hl. Franz damals ganz enttäuscht waren, so können das heute auch nicht viele verstehen, wenn jemand in seinem Leben nicht dem Geld und dem Reichtum den Vorzug gibt, sondern den Blick auf den Nächsten richtet.

Es ist so, wie es in einer Legende heißt. Als einer im Himmel ist und dann viele schöne Sachen sieht, die da angeboten werden und fragte, ob er das kaufen kann, denn das ist alles hier im Himmel ja ganz billig, dann bekam er zur Antwort: Sie haben kein Geld dafür. Er aber, ein reicher Mann, antwortet: O doch, ich habe so und so viel Reichtum angehäuft. Dann kommt die Antwort: Hier kann man nur mit dem Geld kaufen, das man auf Erden verschenkt hat.

Schauen wir also nicht nur auf unser weltliches Wohlbefinden, sondern haben wir diesen Blick in die Ewigkeit. Wer sich nur Schätze auf dieser Erde anhäuft, der ist arm vor Gott und kann vielleicht die Eintrittskarte für den Himmel nicht zahlen, sodass ihm diese Tür versperrt bleibt.

Wer aber hier auf Erden die Not des Nächsten sieht und Gutes tut, der hat nach seinem Tod auch das entsprechende Geld, um in den Himmel eingelassen zu werden. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019