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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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25. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Wie kann ein Schuft den Christen Vorbild sein? Wie kann Jesus einen solchen Betrüger nur loben? Vielleicht ist Ihnen auch diese Frage in den Kopf geschossen. Jesus lobt den ungerechten Verwalter! Warum tut er das? Ohne Zweifel ist und bleibt dieser Mann ein Gauner.

Es sind sich alle einig, was dieses Gleichnis aussagen will, bzw. was Jesus nicht damit sagen will. Jesus will sicherlich nicht das betrügerische Tun des Verwalters rechtfertigen. Jesus will sicher nicht, dass wir solche sündhaften Taten setzen.

Im ersten Augenblick ist es eine Skandalgeschichte. Der Verwalter hat seinen Herrn rücksichtlos hintergangen. Die Lösung wäre normalerweise, dass er seine Schuld zugibt, dass er bestraft wird und Buße tut.  Aber nein, er ist wirklich ein Schuft, denn er betrügt erneut. Dieser Schuft wird unverständlicherweise gelobt.

Aber was wird gelobt? Was findet Jesus an ihm nachahmenswert. 2 Dinge liegen auf der Hand.

1. Der Herr lobte die Klugheit. Gelobt wird also nicht das Unrecht. Uns allen ist dabei klar, dass die Klugheit zum Guten wie zum Bösen gebraucht werden kann. „Klug sein“ ist nicht in sich schon etwas Gutes, denn wir müssen uns immer fragen: Zu was verwendest du die Klugheit? Tüftelst du damit einen Plan aus, um eine Bank zu überfallen? Oder verwendest du deine Klugheit, um einen Verbrecher zu fangen? Der ungerechte Verwalter gebraucht die Klugheit zum Bösen. Wir aber müssen sie zum Guten gebrauchen.

Wenn wir uns die Geschichte noch einmal kurz anschauen, erinnern wir uns, dass dem Verwalter kurze Zeit bleibt, um Rechenschaft abzulegen. Was tut er in dieser Zeit? Er bleibt nicht untätig.

2. Gelobt wird in einem gewissen Sinn auch die Anstrengung, das „sich Mühen“, das „etwas tun“. Auch wenn er sagt, dass er zu schwerer Arbeit nicht taugt, ist er doch in einem gewissen Sinn fleißig. Er lädt die Schuldner seines Herrn zu sich ein und spricht mit ihnen. Auch wenn dies keine große körperliche Arbeit ist, nimmt er sich doch dafür Zeit und beschäftigt sich damit. Er legt nicht die Hände in den Schoß und sagt zu sich: Hat ja doch alles keinen Sinn. Mein Herr hat mich ertappt und jetzt werde ich dafür bestraft. Nein, er überlegt und solange ihm noch Zeit bleibt, tut er etwas, um für sich etwas Gutes herauszuschlagen. Die Methode ist natürlich wiederum schlecht sind, aber gelobt wird nicht die Methode, sondern die Anstrengung und das Nachdenken.

Was tun wir in dieser kurzen Zeit hier auf Erden, um gerettet zu werden. Es bleibt auch uns letztendlich nur kurze Zeit zu leben. Wissen wir, wie lange uns Zeit bleibt, Gutes zu tun? Einmal ist unsere Lebenszeit zu Ende. Jeder muss sterben. Haben wir uns angestrengt, das ewige Ziel zu erreichen?

Der Verwalter betrügt nun wieder. Er verschenkt, was ihm nicht gehört: 50 Faß Öl, 20 Sack Weizen. Beides verschenkt er großmütig an die, die dem Herrn etwas schulden, die sich etwas ausgeborgt haben oder die die Pacht nicht zahlen konnten. Er schenkt, als wäre er der Besitzer. Er macht sich damit Freunde und denkt sich dabei: Diese werden mich sicher später in ihre Häuser aufnehmen und nicht fallen lassen, weil ich ihnen Gutes getan habe.

Also noch einmal: Der Herr lobt nicht die Ungerechtigkeit, sondern er lobt nur, dass dieser Mann es verstand, seine Zeit zu nützen, vorzubauen für die Zukunft, nicht einfach untätig blieb und sich dem Unheil überließ, sondern aktiv wurde, mit Phantasie und Tatkraft klug dem vorbeugte, was da auf ihn zukommen würde.

Die Vergleichspunkte sind also die Anstrengung und die Klugheit. Mit Bedauern wird festgestellt, dass die Anstrengung der Bösen oft größer ist, als die Anstrengung der Guten. Das sehen wir oft in der Welt. Wie ist das bei den oft so schrecklichen Terroranschlägen? Was macht da der Böse für Anstrengungen? Es ist dies eigentlich ganz traurig. Für uns heißt das also: Wir sollen uns ebenfalls mühen, uns einsetzen, aber nicht für das Böse, sondern für das Gute und wir sollen darin klug sein. Dazu gebe uns der Herr die Kraft und die Gnade. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019