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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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27. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

„Stärke unseren Glauben!“ Mit dieser Bitte traten die Apostel an den Herrn heran. Sie erkannten und wussten, dass der Glaube eine übernatürliche Tugend ist, die man sich nicht einfach selber geben kann. Diese Tugend hängt nicht nur von unserem Willen ab, sondern ist auch eine Gnade Gottes. Ich kann nicht sagen: „Ab heute glaube ich stärker! Ab heute glaube ich fester an Gott.“

Gemeint ist natürlich nicht das, was wir so landläufig mit „glauben“ ausdrücken. Wenn jemand sagt „Ich glaube, morgen wird das Wetter schön.“, dann hat das nichts mit dem „Glauben an Gott“ zu tun. Auch wenn ich sage, ich glaube „2 und 2 ist 4“, dann ist das kein Glaube, sondern, wenn man die mathematischen Regeln kennt, kann das überprüft werden. Und dann ist das ein Wissen.

Der Glaube im religiösen Sinn ist mehr als das erste Beispiel mit dem Wetter und weniger als das zweite Beispiel in der Mathematik. Die Aussage „Ich glaube an Gott.“ kann trotzdem eine feste Überzeugung sein. Ich kann es zwar mathematisch nicht beweisen, doch kann ich mir dabei ganz sicher sein.

Wie kann dieser Glaube gestärkt werden? Persönlich kann sehr viel tun, damit mein Glaube gestärkt wird. Ich stärke meinen Glauben durch regelmäßiges Beten. Jesus hat uns auch die Sakramente gegeben. Ich vertiefe meinen Glauben durch den Besuch der hl. Messe, oder wenn ich mich immer wieder in der heiligen Beichte von meinen Sünden befreie usw.

Oft spüren wir, dass unser Glaube schwach ist. Jesus bestätigt, dass auch der Glaube der Apostel schwach war. „Wenn ihr einen Glauben hättet wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Entwurzle dich und verpflanz dich ins Meer! und er würde euch gehorchen!“ Das Senfkorn ist das kleinste unter den Samenkörnern. Wie schwach ist also oft unser Glaube?

Der Glaube wurde uns bereits bei der Taufe eingegossen als übernatürliche Tugend. Seither wächst er im Verborgenen wie ein Senfkorn, das in die Erde gepflanzt wurde. Wir sollen das Erdreich gießen durch unser Gebet. Wir sollen das Erdreich düngen durch den Besuch der heiligen Messe. Wir sollen das Erdreich immer wieder vom Unkraut befreien durch eine gute Beichte. So können wir unseren Glauben stärken.

Da wir im Leben immer wieder versucht werden und der Versuchung erliegen, müssen wir auch immer wieder bekennen, dass wir schwach waren und der Versuchung nachgegeben haben. Das ist aber nicht die Tragödie. Die Tragödie ist nur, wenn ich nicht wieder aufstehe, bereue und mich bessern möchte. Schlimm wird es auch, wenn ich an der Barmherzigkeit Gottes zu zweifeln beginne und meine er vergibt mir nicht. Ganz schlecht wäre es, wenn ich sage, es hat ja doch keinen Sinn mich wieder zu bemühen, denn ich falle ja sowieso wieder in die gleichen Sünden.

Wer so denkt und handelt, dem mangelt es an Glauben, und daher ist die Bitte der Apostel sehr sinnvoll: „Herr, stärkt unseren Glauben.“ Auch wir wollen diese Bitte an ihn richten, und er wird uns dann sicher erhören. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019