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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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29. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Der heutige Missionssonntag lenkt unseren Blick auf die Länder, in denen der Glaube noch verkündet werden soll, bzw. in die Länder, in denen der Glaube fast erloschen ist und wieder entfacht werden muss. Und dazu gehören wir selber. Wenn wir Mission hören, dann denken wir normalerweise an die armen Länder in der Dritten Welt, aber das ist zu wenig. In der heutigen Zeit müssen wir den Blick erweitern nicht nur hin zu den Ländern, die finanziell arm sind, sondern zu denen, die arm im Glauben sind. Immer mehr ausländische Priester kommen zu uns, um uns zu helfen, dass wir im eigenen Land den Glauben wieder neu verkünden können. Nicht nur Priester aus Polen, sondern immer mehr auch afrikanische und indische Priester haben wir in unserer Diözese, die oft gute Arbeit machen.

Wenn es bei uns mit dem Glaubensabfall so weitergeht, dann gilt für uns die Frage Jesu am Ende des Evangeliums: Wird der Menschensohn, wenn er kommt, in Österreich noch Glauben vorfinden? Manchmal höre ich den Satz: Herr Pfarrer, ich kann auch glauben, ohne dass ich in die Kirche gehe. Ich hätte einmal fast gesagt: Nein, das kannst du nicht. Und du merkst gar nicht, wie schwach dein Glaube schon geworden ist. Du merkst gar nicht, dass dein katholischer Glaube schon fast gar nicht mehr in deinem Herzen ruht, denn du weißt eigentlich nichts mehr von diesem Glauben, wenn ich dich prüfen würde. Und ich würde in deinem Leben Dinge feststellen, die nichts oder sehr wenig mit dem katholischen Glauben zu tun haben. Ja, ich würde in deinem Herzen einen Glauben vorfinden, der sich dem katholischen Glauben fundamental widerspricht, wie ich bei einigen Leuten feststelle, die z.B. an Seelenwanderung, Wiedergeburt oder ähnliches glauben. Der katholische Glaube kommt nämlich oft vom Hören, wenn jemand verkündet. Ich merke leider immer wieder, dass es viele gibt, in denen der Glaube wirklich schon fast ganz abgestorben ist.

Am Ende des Evangeliums steht wirklich eine sehr dramatische Frage: Wird der Menschensohn, wenn er kommt noch Glauben vorfinden? Wenn wir in die Kirchengeschichte blicken, stellen wir fest, dass es Gegenden gegeben hat, in denen ein blühendes Christentum vorzufinden war, aber heute z.B. fast ganz islamisch ist. Das sind Gegenden in Nordafrika, Syrien und z.B. die Türkei. Wird der Menschensohn dort christlichen Glauben vorfinden, wenn er wiederkommt? Und wie schaut es bei uns aus? Wenn wir Statistiken glauben dürfen, wird das Christentum bei uns auch bald unter 50 Prozent sein! Und wie wird es weitergehen? Nehmen wir die Frage also ernst! Wird der Menschensohn bei uns noch Glauben vorfinden? Stärken wir in uns immer wieder den Glauben! Beten wir dafür! Am Anfang des Rosenkranzes steht immer diese Bitte „Jesus, der in uns den Glauben vermehre“.

Die drei Vollzüge unseres Christseins sind erstens das Feststehen im Glauben, dann das Gebet und drittens die praktische Nächstenliebe. Diese drei wichtigen Punkte sind nicht zu vergleichen mit Geld, das wir auf drei verschiedenen Konten verteilen. Wenn das eine in Gefahr ist, dann wird eben ein anderes Konto bevorzugt. Nein, sie sind ineinander verwoben. Unser Christsein ist nur so groß, wie die schwächste der drei Säulen, auf denen es ruht. Wer nicht mehr betet, bei dem wird auch der Glaube schwach sein. Und wer wenig christliche Nächstenliebe übt, der wird auch nicht richtig beten. Umgekehrt dürfen wir sagen, dass wir, wenn wir vermehrt beten, auch die Kraft haben, Nächstenliebe zu üben und unseren Glauben stärken. Ich bin überzeugt, dass sich ein Bemühen in der Nächstenliebe eben auch auf den Glauben auswirkt und bei vielen das Gebetsleben intensiviert, auch wenn gottlose Menschen sicherlich auch Nächstenliebe leben. Jesus hat uns die Gottes- und Nächstenliebe aufgetragen. Wer einen starken Glauben hat, wird beide Formen der Liebe, versuchen zu leben.

Glaube, Gebet und Nächstenliebe. Alle drei Punkte wollen wir ernst nehmen. Wenn wir also treu sind im Gebet und die Nächstenliebe üben, wird unser Glaube gefestigt, und Jesus wird dann sehr wohl bei uns Glauben vorfinden, falls er zu einem Zeitpunkt kommt, der noch zu unseren Lebzeiten stattfindet. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019