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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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33. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Wir begehen heute den Caritassonntag mit der Elisabethsammlung. Die hl. Elisabeth ist eine der großen Frauengestalten des Mittelalters. Bereits in jungen Jahren hat sie alle Stände durchgemacht.

Mit 4 Jahren ist sie schon von ihren Eltern getrennt worden und ist von ihrer Heimat Ungarn nach Thüringen auf die Wartburg gekommen, weil sie mit dem damals 11-jährigen Ludwig verlobt wurde. Mit 14 Jahren wurde sie dann mit ihm vermählt. Sie schenkte ihm 3 Kinder. Als er auf dem Kreuzzug starb, wurde sie schon mit 20 Jahren Witwe. Bis dahin hielt Ludwig immer seine schützende Hand über seine geliebte Gattin. Elisabeth lebte die Liebe zu den Armen und Kranken. Sie verschenkte immer so viel, was so manchen Menschen in ihrer Umgebung auf der Wartburg ein Dorn im Auge war. Daher musste sie nach dem Tod Ludwigs die Wartburg mit ihren Kindern verlassen.

Mit der erzwungenen Abfindung konnte sie ihre Kinder versorgen und ein Spital errichten. Sie legte selbst das Gelübde der Armut ab und trat in den dritten Orden des hl. Franziskus ein. Der Ruf dieser Heiligkeit erreichte den hl. Franz von Assisi, der zu dieser Zeit noch lebte. Dieser schickte ihr seinen Mantel.

Eine Begebenheit möchte ich heute besonders hervorheben. Es war an einem 15. August, am Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Als sie mit ihren schönsten Kleidern in die Kirche zum Festgottesdienst ging, trug sie auch eine besonders kostbare goldene Krone im Haar. Als sie sich hinkniete, sah sie vor sich ein großes Kreuz. Sie betrachtete das Kreuz und plötzlich nahm sie ihre Krone ab und legte sie vor das Kreuz. Alle Leute wunderten sich über diese eigenartige Geste, doch Elisabeth sagte: Christus ist mit einem Dornenkranz gekrönt. Ich verspotte ihn, wenn ich eine goldene Krone trage. Mit dieser Tat zeigte sie, dass sie bereit war, alles für Christus zu opfern und alles für den Gekreuzigten hinzugeben. Diese symbolische Tat hat sie dann verwirklicht nach dem Tod ihres Mannes, indem sie wirklich ihre Krone niederlegte und als arme Franziskanerin lebte. In einem kleinen Hospital hat sie als Pflegerin den armen und kranken Leuten gedient.

Diese Tat passt bei der hl. Messe für die Opferung, wenn die Gaben zum Altar gebracht werden. Auch wir sollen unsere Gabe zum Altar bringen. Elisabeth hat das Beste und Wertvollste hingelegt unter das Kreuz.

Was ist eigentlich die Gabenbereitung? Die Gabenbereitung ist nicht nur ein Zuschauen, wenn die Ministranten den Kelch und anschließend Wein und Wasser zum Altar bringen oder das Singen des Liedes. Bei der Gabenbereitung wollen auch wir etwas Gott bringen. Äußerlich können wir natürlich bei der Kollekte etwas geben. Wir wollen aber auch innerlich unser Herz Gott schenken. Wir können dabei folgendes Gebet sprechen:

„Wir opfern dir Herr Brot und Wein, bald wird es unser Heiland sein.

Wir opfern dir Herr unser Herz, nimm´s an und zieh es himmelwärts.“

D.h., wir wollen uns am Opfer Jesu Christi beteiligen. Der Priester betet bei der Vermischung von Wasser und Wein. „Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns teilhaben an der Gottheit Jesu Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat.“ Wir sind die Tropfen Wasser im Kelch. Christus ist der Wein. Er hat uns durch seine Verdienste erlöst. Die paar Tropfen Wasser versinnbildlichen unsere kleinen Verdienste, die wir hier auf Erden bringen, unsere Opfer, die wir Gott schenken. Sie sind nichts im Vergleich zur großen Opfer- und Erlösungstat Jesu Christi. Der hl. Paulus sagt einmal: Ich ergänze in meinem irdischen Leib das, was am Leiden Christi noch fehlt. (Kol 1,24) Und er freut sich daher an seinen Leiden und Opfern. So können auch wir denken. Bei der Gabenbereitung bringen wir unsere armseligen kleinen Opfer und legen sie zusätzlich auf den Altar, auf die Patene des Priesters und bitten Gott, er möge sie annehmen.

Nehmen wir uns heute am Caritassonntag ein Vorbild an der hl. Elisabeth, und bitten sie, sie möge auch uns eine immer größere Liebe zu den Armen und Notleidenden schenken und in besonderer Weise den Opfergeist, den sie hatte, so dass wir bei jeder hl. Messe bei der Gabenbereitung unseren Teil beitragen können, dann ist es ein gutes Mitfeiern der hl. Messe. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019