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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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4. Sonntag im Jahreskreis 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

In der Lesung hörten wir das bekannte Hohelied der Liebe des hl. Paulus, das oft bei Hochzeiten vorgelesen wird. Paulus findet wunderschöne Worte über die Liebe.

Statt „Liebe“ könnten wir immer das Wort „Christus“ einsetzen, denn Jesus Christus ist Gott, und Gott ist die Liebe, so sagt es uns auch der 1. Johannesbrief.

Es würde dann heißen: Christus ist langmütig, Christus ist gütig, Christus prahlt nicht, bläht sich nicht auf, erträgt alles, hört niemals auf, usw.

Christus ist die personifizierte Liebe. Er hat die Liebe in Vollkommenheit gelebt. Wenn der heilige Paulus in rhetorischer Perfektion die Liebe steigert und zum Schluss sagt: „Wenn ich meinem Leib dem Feuer übergäbe und die Liebe nicht habe, nützt es mir nichts.“, dürfen wir feststellen, dass Jesus Christus gerade diese Liebe hatte und sich selbst mit vollkommener Liebe hingegeben hat. Er ist am Kreuz gestorben für uns Menschen, nicht für sich selbst, sondern um uns von unseren Sünden zu erlösen und er hatte dabei unendliche Liebe. Daher ist unser Blick aufs Kreuz ein Blick auf die Liebe schlechthin. Immer sieht ein gläubiger Christ im Anblick des Gekreuzigten nur die wahre und echte Liebe Gottes, die nichts für sich behält, sondern nur eine schenkende Liebe ist, die auf uns Menschen ausströmt. Das ist ja das Faszinierende.

Wir Menschen sollen versuchen, diese Liebe nachzuahmen. Besonders in der Ehe ist dies auch angesagt: sich ganz dem anderen schenken. Diese Liebe erträgt alles. Sie erträgt auch Ungerechtigkeiten und verzeiht die Sünden des Nächsten. Sie trägt das Böse nicht nach und sucht nicht ihren Vorteil, sondern möchte den anderen glücklich machen. Diese Liebe ist opferbereit. Diese Liebe wartet auf Antwort. Sie möchte sich in den anderen hineindenken, hineinversenken, den anderen verstehen und herausfinden, was er gerne hat. Diese Liebe leidet mit dem anderen mit, wenn es ihm schlecht geht. Diese Liebe ist nicht egoistisch, und sagt nicht „ich“, sondern „du“. Sie möchte das Wohl des Nächsten und dass sein Leben gelingt.

Diese Litanei könnte man ins Unendliche fortsetzen.

Wenn wir diese Liebe umsetzen in unserem eigenen Leben, so wie es Jesus ja auch fordert, wenn er sagt: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“, dann wird einmal der beglückende Lohn auf uns warten, dann können wir in diese ewige Liebe eingehen. Gott, der die Liebe ist, wird uns zu sich nehmen und an dieser Liebe teilhaben lassen, aber dazu müssen wir die Liebe hier auf Erden geübt haben, sonst werden wir diese Liebe in der Ewigkeit nicht „aushalten“ und nicht in uns aufnehmen können, weil wir im Leben die Liebe nicht weitergegeben haben, weil wir die Liebe Gottes hier schon abgelehnt haben.

Liebe ist unsere Berufung. Auch wenn das Wort Liebe vielleicht von manchen sehr oft verwendet wird und es gar nicht wirklich Liebe ist. Auch wenn viele nur über die Liebe reden und nicht nach ihr handeln. Auch wenn viele die Liebe nur schön besingen und sie nicht vorleben. Auch wenn das Wort Liebe oft missbraucht wird, dürfen wir Christen uns dieses Wort im wahren Sinn nicht wegnehmen lassen, denn das, was der hl. Paulus schreibt, bleibt in alle Ewigkeit. Die Liebe ist das Größte. Die Liebe bleibt immer. Sie soll hier gelebt werden. Sie soll hier auf Erden geübt werden, damit sie einmal im anderen jenseitigen Leben ohne Ende gelebt werden kann. Gott, der die Liebe ist, wartet auf uns, um uns diese Liebe einmal zu schenken, um uns einmal für immer an dieser Liebe teilnehmen zu lassen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019