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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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5. Ostersonntag 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Heute möchte ich ihnen ein paar Worte über die 2. Lesung sagen. Wir hörten aus der Offenbarung des Johannes. Sie wird auch die Apokalypse genannt. Es ist das letzte Buch der Hl. Schrift und wurde vom Apostel Johannes in der Verbannung auf der griechischen Insel Patmos geschrieben. Die Geheime Offenbarung ist ein prophetisches Buch. Es sind darin viele endzeitliche Bilder zu lesen. Die Weissagungen beziehen sich auf die Endkatastrophe, den Untergang der Welt, auf die ihr vorausgehenden Drangsale und Heimsuchungen und auf den Entscheidungskampf zwischen Christus und den Satan selbst. Es will uns aber keineswegs Angst machen. Im Gegenteil! Dieses Buch ist ein Trostbuch für uns Christen. Es weissagt nämlich den Sieg und den Triumph des Reiches Gottes auf Erden über alle feindlichen Mächte. Das Buch schließt ab mit der Vision der neuen Welt, des neuen Himmels und der neuen Erde, nach der endgültigen Vernichtung Satans. Dieses Buch gibt Kraft, Trost und Zuversicht der Leidenskirche, der Kirche auf Erden, die der Vollendung entgegenpilgert. Die Kirche wird immer solchen Stürmen ausgesetzt sein: einmal mehr, einmal weniger. Momentan vielleicht wieder etwas mehr. Aber der Endsieg ist unaufhaltbar. Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Und gerade da, wo man meinte, der Teufel hat gesiegt, nämlich als Jesus am Kreuz starb, gerade dadurch hat Gott uns erlöst, gerade dadurch wurde der Teufel besiegt.

Die heutige Stelle im vorletzten Kapitel ist also so ein Bild des Trostes. Johannes macht einen Blick in die kommende Welt, das Ziel und der Sinn der jetzigen Welt und unseres Lebens. Es ist ein Ziel, das sich nicht der Mensch selber gegeben hat. Diesen Sinn hat nicht der Mensch erschaffen aus irgendeinen Grund, weil er dann Hoffnung hat, weil er sich dann damit trösten kann. Die Religionsgegner sagen das oft sehr spöttisch: „Der Mensch braucht für sich einen Glauben an ein ewiges Leben, um bestehen zu können. Darum hat er selbst sich das alles ausgedacht und erfunden.“ Nein! Dieses Ziel und dieser Sinn ist uns von Gott vorgegeben. Wir sind dazu berufen, einmal ewig bei Gott zu sein, wenn der neue Himmel und die neue Erde sein werden. Es ist ein Ort, wo kein Leid, kein Jammer, keine Klage mehr ist. Diesen neuen Himmel und diese neue Erde also sieht Johannes. Es ist die Schau der Vollendung, der ewigen Herrlichkeit. Mit Himmel und Erde meint er die Gesamtheit der Welt.

Auch Jesus spricht von dieser neuen Schöpfung, von der Welterneuerung, von einer Umgestaltung und Neuwerdung der Welt am Ende der Zeiten. Er gebraucht dafür das Wort „Wiedergeburt“. Das ist fast der gleiche Ausdruck, den er im Nikodemus-Gespräch für die Taufe verwendet, wo er sagt, der Mensch müsse wiedergeboren, von oben her geboren werden. Vielleicht läßt sich aus diesem Schriftbefund sagen: Was beim Menschen in der Taufe geschieht, geschieht für die Welt am Tag ihrer Vollendung. Die Welt wird einmal neu gestaltet. Diese neugestaltete Welt nennt der Seher den Neuen Himmel und die Neue Erde. Wenn Johannes dabei eigens sagt, dass das Meer nicht mehr sein wird, dann soll damit das unerhört Neue dieser kommenden Welt zum Ausdruck gebracht werden. Das Meer galt im Altertum als das Chaotische, das Ungebändigte, das Unheimliche und das Bedrohende. Denken sie an das erste Buch der Hl. Schrift. Als der Geist noch über den Wassern, über dem Meer schwebte, da war die Erde wüst und leer, auf hebräisch: da war Tohuwabohu, d.h. da war noch das Chaos. Dieses Meer gibt es dann nicht mehr. Das neue Jerusalem wird sein. Das neue Jerusalem ist immer ein Bild für die himmlische Stadt, für die himmlische Herrlichkeit. Da wird Gott wohnen und wir sind bei ihm. Er ist da in unserer Mitte. Da gibt es kein Weinen mehr. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein. Wir werden leben in Ewigkeit. Dann schreibt er weiter: keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Sind das nicht trostreiche, trostvolle Worte!!!

Und Gott selber spricht auf seinem Thron. Es ist das einzige Mal, dass der Schreiber Johannes Gott selber in der Geheimen Offenbarung von seinem Thron aus sprechen lässt. Er sagt: „Seht, ich mache alles neu.“ Es ist fast der Höhepunkt. Es erinnert wieder an den Anfang der Schrift, als er sagte: „Es werde.“ „Es werde Licht.“ Jetzt im letzten Buch der Hl. Schrift, im vorletzten Kapitel: „Es werde alles neu.“ Wie Gott der Schöpfer der Welt ist, wird er auch der Vollender der Welt sein. Er ist der Herr des ganzen Weltalls. Alles liegt in Gottes Hand. Wir sind darin geborgen und brauchen daher keine Angst haben, sich nicht fürchten und keine Sorge haben. Gott führt alles zum Guten. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019