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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Ostersonntag 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Das Leben ist oft voller Überraschungen! Es gibt gute Überraschungen und es gibt böse Überraschungen. Eine Überraschung ist das Erleben unvorhergesehener Situationen, Gefühle oder Begegnungen, unerwarteter Worte oder Geschenke. Überraschungen lösen fast immer Verwirrung aus, heftige Emotionen. Es kommt dann zu Erröten, Lachen oder Bewegungen. Im Straßenverkehr kann so eine meist böse Überraschung eine Schrecksekunde auslösen. Kinder lieben Überraschungen. Wenn man in der Schule sagt, dann habe ich noch eine Überraschung für euch, ist das oft spannend, kribbelnd und erweckt Vorfreude. Wie spannend war früher für mich als Kind das Überraschungsei. Was ist da bloß drin? Das Christkind bringt immer viele Überraschungen zu Weihnachten, aber auch Ostern ist voller Überraschungen.

Schauen wir uns die Situation damals nochmals an. Die Frauen sind unterwegs zum Grab. Sie suchen keine Ostereier. Sie gehen auch nicht zum Osterhochamt. Sie wissen nicht, dass Ostern ist. Sie wissen nur, dass Jesus vorgestern gekreuzigt wurde und dass er tot ist, hingerichtet wie ein Schwerverbrecher. Damit ist alles aus und vorbei. Die Zeit hat nicht mehr gereicht, seinen Leichnam einzubalsamieren, wie es sich gehörte. Das wollen sie jetzt nach dem Sabbat nachholen.  Sie sind auf dem Weg zum Grab und haben ein Problem. Wer wälzt uns den Stein weg? Sind die Römer, die das Grab bewachen, so lieb?

Am Grab angekommen erwartet sie die erste Osterüberraschung. Keine Römer da. Der Stein ist aber weg. Der Eingang zum Grab ist frei. Der Stein ist zur Seite gerollt. Der Zugang offen. Das Problem ist anscheinend gelöst oder doch nicht? Das ist eigentlich die erste Osterfreude. Der große Stein ist weg. Haben wir nicht auch oft Steine, die uns belasten, die weggerollt gehören. Wenn wir zu Jesus gehen, ist der Stein weg.

Die zweite Osterüberraschung. Das Grab ist leer. Zumindest Jesus ist nicht drin. Ein junger Mann in weißen Kleidern sitzt drin. Momentan eine böse Überraschung für die Frauen. Wer hat den toten Jesus gestohlen. Wir können ihn nicht mehr salben, sein Grab nicht mehr besuchen. Nach der ersten guten Überraschung, die Freude ausgelöst hat, die zweite böse Überraschung, die Trauer ausgelöst hat, folgt nun eine dritte Überraschung, die totale Verwirrung auslöst. Jesus lebt, wird behauptet! Der Engel sagt: Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier! Es ist die größte und unglaublichste Überraschung. Sie löst zuerst nicht Freude aus. Sie brechen nicht in lauten Osterjubel aus, sondern sie sind entsetzt, sie zittern, sie rennen kopflos davon.

Die Freude über diese dritte Überraschung erleben sie erst, als ihnen dann Jesus persönlich erscheint und sie ihn erkennen: die größte Überraschung.

Und dann kommt der Auftrag. Sie sollen es weitersagen. Geht zu meinen Jüngern und berichtet alles. Berichtet ihnen, was ihr gesehen habe. Mir ist dazu ein ganz dummer Vergleich eingefallen. Es passt aber zum Überraschungsei, von dem ich am Anfang gesprochen habe. Es heißt immer, dass die Henne, die ein Ei gelegt hat, laut gackert. Man weiß nicht genau warum. Ist es die Freude, möchte sie die anderen darauf aufmerksam machen. Aber eines weiß ich. Ostern ist zwar nicht die Freude über ein neues Ei, über ein neues Leben eines Kükens, sondern die Freude über das neue Leben Jesu, dass er auferstanden ist, und wir sollen nicht gackern, aber die Freude darüber sollen wir sehr wohl hinausposaunen, weitererzählen. Die Kirche tut es am heutigen Tag auf dem ganzen Erdkreis. Sie ruft alle Gläubigen zusammen und feiert ein Fest und verkündet dabei immer wieder: Christus ist auferstanden. Jesus lebt. Das Grab ist leer. Er hat den Tod besiegt. Daher brauchen wir nicht Trübsal blasen, sondern dürfen uns freuen und jubeln über diesen Ostersieg. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019