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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Taufe des Herrn 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Was ist die Taufe? Was ist das Sakrament der Taufe und was ist die Taufe Jesu damals gewesen? Es gibt Unterschiede und Gemeinsamkeiten.

Die Taufe am Jordan durch Johannes des Täufers war eine Taufe der Umkehr und der Buße. Unsere Taufe ist eines der 7 Sakramente und bewirkt die Tilgung der Erbsünde und Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche.

Bei Jesus war dann diese Taufe durch ein besonderes Ereignis gekennzeichnet. Der Himmel öffnete sich und die Stimme des Vaters wurde hörbar: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Auch die dritte göttliche Person, der Heilige Geist, kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf Jesus herab. Es war als eine Epiphanie, d.h. eine Erscheinung und Offenbarung der Heiligsten Dreifaltigkeit. Mit der Taufe Jesu beginnt sein öffentliches Auftreten.

Gott zeigte sich hier auch sichtbar, so wie er ist, so wie sein innerstes Wesen ist. Er ist kein einsamer Gott, sondern in Gott sind drei Personen.

Bei unserer Taufe sehen wir nicht viel Sichtbares. Das Wasser wird über unseren Kopf geschüttet und der Priester spricht die bekannten Worte: „Ich taufe dich…“ Es ist also auch eine Anrufung der heiligsten Dreifaltigkeit. Das Große aber, das geheimnisvoll geschieht, ist unsichtbar. Man könnte sagen: Wir bekommen ein Wasserzeichen! Sie kennen alle ein Wasserzeichen. Es gibt sie bei Banknoten und Briefmarken. Man sieht sie momentan nicht. Erst wenn man den Schein ins Licht hebt oder die Briefmarken in eine besondere Lösung gibt, sieht man das Zeichen.

So ähnlich ist es bei unserer Taufe. Wir bekommen ein Wasserzeichen, das aber nur der liebe Gott sieht, und es gibt keine Lösung, kein Licht, so dass es für uns Menschen sichtbar wird. Keinem Menschen können wir äußerlich ansehen, dass er getauft ist. Erst im Lichte Gottes, in der Ewigkeit, werden wir dieses Wasserzeichen sehen.

Genauso ist das bei der Firmung und Priesterweihe: Auch hier bekommt man ein unauslöschliches Merkmal, das einmal in der Ewigkeit sichtbar wird. Wir erhalten ein Wasserzeichen, das nur Gott sieht und alle, die im Himmel uns begegnen.

Die heilige Taufe ist etwas ganz Großes, die uns den Himmel öffnet und daher eine unbezahlbare Gnade. Es wurde einmal vor fast 10 Jahren etwas Unvorstellbares gemeldet. Es wollen sich 100.000 Christen enttaufen lassen. Sie wollen ihre Kindertaufe widerrufen, weil sie Atheisten, gottlos geworden sind. Das geht nicht. Das ist nicht so wie bei einem Verein, wo man eintreten kann und wieder austreten kann. Ja, ich kann vom Glauben abfallen, aber ich bleibe trotzdem getauft.

Vielleicht ist es aus dieser Sicht gut, nicht gleich alle taufen zu lassen, wenn die Voraussetzungen nicht gegeben sind. Zumindest könnte man ja kritisch überlegen, ob die Zulassung zu den Sakramenten nicht doch zu locker ist. Immerhin ist ein Sakrament doch etwas Besonderes und sollte nicht zu billig angeboten werden.

„Was nichts kostet, ist nichts wert“, heißt ein Sprichwort. Vielleicht haben wir so manches wertlos gemacht, weil wir nichts mehr verlangen. Das gilt nicht nur für die Taufe, das gilt für die anderen Sakramente genauso. Ich denke an den Erstkommunionunterricht, an den Firmunterricht usw.

Auf alle Fälle ist die konkrete Entscheidung sehr schwierig, und bei der Taufe wird man dann doch wieder viele Augen zudrücken, denn wir wissen, wie wichtig die Taufe ist und sind dann doch froh, dass dieses Bewusstsein, wenn auch oftmals sehr verschüttet, bei den Menschen irgendwie noch da ist und sie die Kinder zum Pfarrer bringen.

Taufe heißt: Du bist mein geliebter Sohn. Du bist meine geliebte Tochter. Taufe heißt: Gott sagt ein JA zu uns. Gott liebt uns. Gott möchte, dass alle gerettet werden. Von seiner Seite her streckt er uns die Hand entgegen. Wir müssen sie nur ergreifen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019