1. Adventssonntag C 2021
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1. Adventssonntag 2021 C

Messtexte | Word-Dokument

Was soll ein Text über das Weltende am Anfang des Advents, am Anfang des Kirchenjahres? Ist das schon das richtige Evangelium? Ja, genau diese dramatischen Worte über das Kommen des Menschensohnes am Ende der Zeiten sollen vorgelesen werden. Die Kirche möchte damit unseren Blick wieder hin auf das Ende der Welt lenken!

Gut, dann stellen wir uns das einmal konkret vor: Heute oder morgen erscheint plötzlich Jesus auf den Wolken des Himmels. Die Vorzeichen des Weltunterganges treten ein und wir sehen den Menschensohn mit große Kraft und Herrlichkeit kommen. Die Wiederkunft Christi ist angebrochen. Ich glaube, wir alle würden es zuerst gar nicht fassen und wir wären alle richtig schockiert. Jeder vermutet dieses Ereignis normalerweise in weiter Ferne, wenn er überhaupt daran glaubt. Irgendwann in der Zukunft wird es vielleicht kommen, aber nicht jetzt. Man will sich auch nicht mit diesem Gedanken auseinandersetzen und viele verdrängen es.

Wie würden wir aber reagieren, wenn die Wiederkunft Christi jetzt ansteht? Ich bin überzeugt, es würde plötzlich vieles unwichtig sein, was wir bisher für unbedingt notwendig hielten. Unser ganzes Geld und alles was wir haben, unser Erspartes und all unser gut investiertes Vermögen interessiert uns dann nicht mehr. Die berufliche Laufbahn wird nebensächlich und unser Haushalt mit allem modernen, neuzeitlichen Komfort ist sekundär. Dies alles ist plötzlich bedeutungslos, und es zählt nur noch eines: Wie ist mein Verhältnis zu Gott? Kann ich dem Gericht standhalten? Es geht um mein Seelenheil. Und da stellt sich konkret die Frage: Bin ich vorbereitet auf das Kommen des Menschensohnes?

Und jetzt bin ich beim Advent. Advent hat etwas mit „Kommen“ zu tun. Advent heißt auf Deutsch Ankunft. Die Ankunft Jesu Christi ist natürlich gemeint. Wir wollen uns rüsten auf sein Kommen. Bahnt dem Herrn den Weg! Die Ankunft des Herrn ist nahe. Johannes der Täufer wird uns mit seinen mahnenden Worten noch begegnen.

Der Advent hat einen dreifachen Aspekt.

1. Wir sollen uns natürlich auf Weihnachten vorbereiten. Hier feiern wir die Ankunft Jesu in der Krippe in Bethlehem. Wir feiern die Menschwerdung Gottes.

2. Bereiten wir die Ankunft Jesu in unserem Herzen vor, wenn wir ihn z.B. in der heiligen Kommunion empfangen. Lassen wir ihn auch in unser Herz hinein. „Wäre Jesu tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir. So wärst du dennoch ewiglich verloren.“ Sie kennen diesen Text von Angelus Silesius.

Und 3. Wir sollen uns auf sein Wiederkommen in Herrlichkeit vorbereiten. Im heutigen Evangelium hörten wir diesen 3. Aspekt. Jesus will natürlich nicht, dass wir andauernd in Weltuntergangsstimmung leben oder dass wir auf alles Irdische verzichten. Wir sollen aber doch eine gewisse Distanz halten von den Dingen dieser Welt. Sie sind im Vergleich zur Ewigkeit unwichtig. Darum hängen wir nicht zu sehr an all diesen materiellen Gütern, sonst wird es schwer für uns, das alles zurücklassen zu müssen. Wir können davon nichts in die Ewigkeit mitnehmen. Wenn wir so leben und eine gewisse Distanz zu den Dingen dieser Welt haben, brauchen wir uns nicht vor dem Ende der Welt zu fürchten.

Jesus sagt uns die Zeichen, die kommen werden. Die Leute, die nicht wissen, was die Zeichen bedeuten, werden Angst haben. Die Völker werden bestürzt und ratlos sein. Wir aber sollen uns aufrichten und unseren Kopf erheben, wenn wir diese Zeichen sehen, denn die Erlösung ist nahe. Jesus sagt „Erlösung“. Und Erlösung ist nichts Negatives. Auf das dürfen wir uns freuen, aber wir sollen uns nicht überraschen lassen.

Was sollen wir konkret tun? Ein wichtiger Punkt ist das Gebet. Der Advent ist eine gute Gelegenheit wieder zu beginnen, falls wir da nachgelassen haben. Wir können am Abend gemeinsam die Adventkranzkerzen anzünden. Die Familie könnte sich versammeln. Es wäre schön, gemeinsam zu singen, eine Geschichte vorzulesen, verschiedene passende Gebete zu sprechen, sich zu besinnen und wieder zu Hause feiern lernen. Beginnen wir wieder! Fangen wir mit dem neuen Kirchenjahr neu an. Der Lockdown hilft uns dabei. Der Friede wird plötzlich in die Herzen einziehen. Es ist der Friede Christi, den die Welt nicht geben kann, den sich aber doch jeder ersehnt. Der Wunsch der Engel, den wir zu Weihnachten hören, soll sich erfüllen: „Ehre sie Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.“ Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021