Hochfest der Unbefleckten Empfängnis 2021
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Hochfest der Unbefleckten Empfängnis 2021 C

Messtexte | Word-Dokument

Bei diesem heutigen Marienfest denken manche unwillkürlich an Lourdes, den großen Marienwallfahrtsort in Frankreich. Was ist in Lourdes geschehen, sodass heute noch jährlich so viele Menschen hinpilgern und die Gottesmutter verehren, sowie auf Heilung hoffen?

Dem 14-jährigen Mädchen Bernadette Soubirous ist dort im Jahre 1858 die Muttergottes erschienen. Sie war gerade mit ihren beiden Schwestern beim Holz sammeln, als sie ein Rauschen hörte, sich umdrehte und eine Dame mit weißem Gewand und blauem Gürtel in der Grotte sah. Die Dame wünschte den Bau einer Kapelle und möchte, dass die Leute in Prozessionen hinpilgern. Bernadette ging zum Pfarrer und berichtete ihm den Wunsch. Dieser aber glaubte ihr nicht und will zuerst den Namen dieser Dame wissen, bevor er diesen ungewöhnlichen Wunsch erfüllt. Bernadette bat nun die Dame um ihren Namen und diese sagte: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis.“ Bernadette verstand nicht, was das bedeutet. Sie hat diesen Namen noch nie gehört. Sie wusste auch nicht, dass 4 Jahre vorher der hl. Vater in Rom 1854 das Dogma verkündete: Maria ist vom ersten Augenblick ihres Lebens an ohne Erbsünde. Der Pfarrer aber wusste dies sehr wohl. Bernadette lief sofort zum Pfarrer und sagte ständig diesen Satz vor sich her, damit sie ihn nicht vergisst. Beim Pfarrer angekommen, platzte sie sofort heraus: Sie ist die Unbefleckte Empfängnis. Der Pfarrer fragte sie noch, ob sie weiß, was das bedeutet. Als sie verneinte, war er überzeugt, Bernadette hat ihn nicht angelogen und ab diesem Zeitpunkt glaubte er ihr.

Wir können im Nachhinein sagen: Der Himmel bestätigte auf wunderbare Weise dieses Dogma aus dem Jahre 1854 vier Jahre später durch ein armes Mädchen.

Warum hat Maria dieses Gnadenprivileg? Warum ist sie die in besonderer Weise auserwählte und von aller Erbschuld befreite Frau?

Sie leuchtet dadurch in herausragender Weise dem Menschen als Vorbild entgegen. Sie ist wie der Mond unter den Sternen, der am hellsten in der Nacht unter den anderen Heiligen leuchtet.

Durch diese außergewöhnliche Stellung im Heilsplan Gottes können wir Maria folgendermaßen vergleichen. Sie ist wie ein Königreich, das niemals einem anderen Herrn nur Gott gedient hat. Sie ist wie eine starke Festung, die der böse Feind nie erobert hat.

Sie war immer ohne Sünde? Warum hat Gott das so gefügt?

Liebe Brüder und Schwestern! Es geziemte sich einfach, dass Jesus, Gottes Sohn, von einem Menschen geboren wird, der die Sünde nie gesehen hat.

Stellen sie sich vor, Maria, die wir als unsere Königin, Königin der Engel und der Heiligen verehren und der Teufel, die Stimme Luzifers, könnte sagen: „Einst warst du mein! Ehe du auf jenem Thron im Himmel gesessen bist, hast du, wenn auch nur für kurze Zeit mir gehört.“ Das ist doch ein unmöglicher Gedanke.

Jesus hat aus ihr seine Menschheit angenommen. Aus ihr wurde sein Fleisch, sein Blut. Er war ihr untertan, gehorsam und hat sie geliebt. Es ist unvorstellbar, dass der Geist der Hölle das Recht haben sollte, dem Heiland zuzurufen: „Ehe sie deine Mutter wurde, war sie meine Magd. Habe ich auch keinen Anteil an dir, so habe ich doch Anteil gehabt an dem Liebsten, was du auf Erden hast. Anteil habe ich gehabt an deiner Mutter.“ Das wollte Jesus nicht. Das wollte Gott nicht.

Maria ist deshalb die Immaculata, die Unbefleckte, die Makellose. Sie ist es von Ewigkeit her im Plane Gottes.

Im Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis Mariens ehrt der ewige Vater seinen göttlichen Sohn. Maria, die damit der Schlange den Kopf zertreten hat, weil sie voll der Gnade war, ist die zweite Eva. Die erste Eva wurde von der Schlange besiegt. Die zweite Eva vernichtete die Schlange. Eva war ohne Sünde und entschied sich für die Schlange. Das große Unglück geschah, als sie sich von den Worten der Schlange verführen ließ. Die große Sternstunde für die Menschen war, als Maria, die ebenfalls ohne Sünde war, sich in Freiheit zum Willen Gottes bekannte, als der Engel Gabriel ihr den Plan des himmlischen Vaters mitteilte. Dies war die große Wende der Menschheit zum Guten hin. Die Erlösung der Menschheit wurde dadurch möglich.

Das ist das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis, die wir heute in besonderer Weise ehren. Maria ist vom ersten Augenblick ihres Lebens an von jeglicher Schuld befreit worden und hat in ihrem ganzen Leben nie gesündigt. Deshalb ist sie die makellose Jungfrau, die uns die Kirche als Vorbild vor Augen stellt und auf deren Fürsprache besonders in Lourdes schon viele Wunder und Zeichen geschehen sind. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022