2. Sonntag nach Weihnachten 2022
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Messtexte | Word-Dokument

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Das sind die ersten Worte der Heiligen Schrift aus dem Buch Genesis. „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott.“ So haben wir es soeben im Evangelium gehört, und wir finden diesen Text zu Beginn des Evangeliums nach Johannes. Johannes hat bewusst beim Anfang seines Evangeliums Bezug auf den Anfang der Bibel genommen. Und dann hieß es weiter: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Dieses Wort ist Mensch geworden und hat durch Jesus zu uns vor 2000 Jahren gesprochen. Johannes war nur die Stimme eines Rufers in der Wüste. So hat er sich selbst bezeichnet. Jesus ist das Wort. Die Stimme verging. Das Wort blieb. Es blieb besonders in den Herzen der Menschen. Gott spricht immer wieder zu uns. Wenn Gott spricht, ist das natürlich etwas Besonderes. Am Anfang hat er durch sein Sprechen die Welt erschaffen. Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht. Und die zweite göttliche Person war da schon dabei, weil sie ewig ist. Diese zweite göttliche Person ist dann vor 2000 Jahren Mensch geworden und hat als Mensch in seinen 33 Lebensjahren zu uns gesprochen. Durch sein Wort hat er Heilung gebracht. Seine Worte haben den Menschen geholfen. „Ich sage dir: Steh auf!“ Und der Gelähmte konnte wieder gehen. Jesus sprach: „Effata“. Und der Taubstumme konnte wieder hören und sprechen. Jesus sagte zum Mädchen: „Talita kum!“ „Steh auf.“ Und das tote Mädchen wurde wieder lebendig. Wir beten bei jeder heiligen Messe vor der Kommunion: „Aber spricht nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!“ Wir vertrauen diesem Wort. Wir wissen, dass er durch sein Wort Gutes tut. Wir wissen, dass durch sein Wort unsere Sünden vergeben werden.

Auch wir Menschen können sprechen. Das ist nicht selbstverständlich. Tiere können das nicht. Sie können nur Laute von sich geben. Aber wir Menschen können denken und unsere Gedanken dann aussprechen. Wir können durch unsere Worte dann auch Gutes tun. Denken wir daran, dass unsere Zunge ein Werkzeug Gottes sein soll. Es soll nicht zum Sündigen verwendet werden, sondern zum Trösten, zum Erbauen, zum Erfreuen und zum Stärken. Wir können mit unseren Worten ermutigen, versöhnen, vermitteln und besänftigen. Wir sollen unseren Mund dazu verwenden, um andere aufzumuntern, Sorgen zu mildern und Mut machen, wo Verzweiflung ist.

Es gibt ein Lied, da heißt es: „Gib mir die richtigen Worte. Gib mir den richtigen Ton. Worte, die deutlich für jeden von dir reden. Gib mir genug davon. Worte, die klären, Worte die stören. Wo man vorbeilebt an dir, Wunden zu finden und sie zu verbinden – Gib mir die Worte dafür.“

Es braucht eben auch die richtigen Worte. Manchmal sind wir sprachlos und finden nicht die richtigen Worte. Manchmal ist es auch wichtig zu schweigen, aber oft soll man die Gabe zu reden nutzen und mit unseren Worten hinweisen auf das Wort Gottes, auf das Wort, das Fleisch geworden ist.

In Afrika gibt es einen einzigen von der Kirche anerkannten Marienerscheinungsort, der heißt Kibeho. Er ist in Ruanda. Dort hat sich die Muttergottes in den 1980iger Jahren den Seherkindern offenbart als die Mutter des Wortes. Dort hat sie den Völkermord im Land vorausgesagt. 1994 töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie Hutu, die sich am Völkermord nicht beteiligten oder sich aktiv dagegen einsetzten.

Wir können die Muttergottes, die Mutter des Wortes, bitten, dass sie uns immer friedliche Worte eingibt, dass nicht durch Worte Streitereien, Auseinandersetzungen, Feindseligkeiten oder sogar Kriege entstehen. „Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“ Weihnachten war das Fest des Friedens. Dieser Friede, der vom menschgewordenen Wort ausstrahlt, möge auf der ganzen Welt spürbar sein. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022