Allerheiligen C 2022
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Allerheiligen 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Immer Anfang November, im Herbst, zu Allerheiligen und Allerseelen, wenn die Bäume ihre Blätter verlieren, wenn die Natur sich zur Ruhe begibt, viele Tiere sich auf den Winterschlaf vorbereiten, werden wir an den Tod erinnert. Automatisch werden wir also mit dem Ende unseres Lebens konfrontiert. Wir gehen zu den Gräbern unserer lieben Verstorbenen auf den Friedhof und zünden ein Licht ein. Wir verweilen dort und wollen uns im Gebet und in Gedanken mit ihnen verbinden.

Warum tun wir das? Was treibt uns dazu an? Im Innersten eines jeden Menschen schwebt die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod drängt uns, die Verstorbenen nicht zu vergessen und ihnen mit unserem Gebet zu helfen.

Immer wenn wir über die letzten Dinge, den Tod, den Himmel oder das göttliche Gericht betrachten, werden wir sehr nachdenklich. Heute will uns die Kirche die große Schar derer vor Augen haben, die von uns gegangen sind und die ihr Ziel erreicht haben, die im Licht sind. Es sind dies viele unbekannte Menschen, von denen wir nichts wissen. Nur die geringe Schar der von der Kirche heiliggesprochenen Menschen kennen wir mit Namen. Wir verehren sie, denn wir glauben, dass sie bei Gott Fürsprache für uns einlegen. Früher war dies noch viel stärker als jetzt. Der hl. Christopherus wurde angerufen, wenn man auf Reisen ging; der hl. Pantaleon, wenn man Kopfschmerzen hatte; die hl. Appolonia war die Helferin, wenn man mit den Zähnen Beschwerden hatte; der hl. Blasius half bei Halskrankheiten. Aber auch heute noch wendet man sich an den hl. Antonius, wenn man etwas verloren hat. Der hl. Leonhard ist für das liebe Vieh zuständig. So war man mit den Heiligen tief verbunden. Auch den Namen hat man vielleicht noch deshalb ausgesucht, um einen bekannten Heiligen als Namenspatron zu haben. Das spielt heutzutage kaum mehr noch eine Rolle.

Die größte unter den Heiligen wird aber auch heute noch verehrt: die Gottesmutter. Dreimal am Tag erinnern die Glocken daran, sie zu grüßen mit dem Engel des Herrn. Das Vaterunser danach gehört den Armen Seelen im Fegfeuer, den Verstorbenen, die dadurch nicht vergessen sind.

Wenn wir heute auf den Friedhof gehen, dann deshalb, weil wir unsere Verstorbenen lieben. Es ist schön, dass wir die Gräber herrichten und schmücken. Nicht überall ist dies Brauch. Ein geschmückter Friedhof drückt Glaube aus. Wenn man abends, wenn es dunkel ist, die vielen Lichter bei den Gräbern sieht, drückt das Hoffnung aus. Wir spüren Leben. Die Verstorbenen sind nicht für immer tot. Die Seele ist unsterblich. Sie lebt! Das sagt das Licht am Grab. Die Lichtsymbolik spielt bei uns Christen immer eine große Rolle. Beginnend mit der Taufkerze, die an der Osterkerze angezündet wird, wenn wir ein Kind Gottes geworden sind. Das Licht soll den Menschen begleiten auf seinem Weg. Das Kind hält die Kerze erneut beim großen Tag der Erstkommunion, an dem es sich mit Christus vereinen darf. Die Kerze entdecken wir wieder beim Sakrament der Stärkung, wenn sich die Firmlinge die Firmkerze verzieren oder auch die Brautkerze. Sie drückt erneut aus, wir wollen Kinder des Lichtes sein und bleiben. Es möge das Licht in unserem Leben leuchten.

Ganz am Anfang sprach Gott: Es werde Licht. Und Jesus wiederholt es: Ihr seid das Licht der Welt. Wir sollen hier auf Erden Licht sein. Aber auch im ewigen Leben soll unser Licht leuchten. „Das ewige Licht leuchte ihnen.“ betet der Priester für die Verstorbenen.

Wenn das ewige Licht leuchtet, dann sind wir in der ewigen Glückseligkeit. Dann sind wir wie die Sterne am Firmament.

So manche aber sind noch im Reinigungsort. Machen wir noch abschließend uns ein paar Gedanken dazu. Der Ort, an dem die armen Seelen sich befinden, ist kein Ort der Verzweiflung. Es brennt in einem gewissen Sinn das Licht des Glaubens und alle spüren, dass sie gerettet sind. Doch die Liebe zu Gott wird zur Sehnsucht, die wie ein starkes Heimweh in den Herzen dieser Seelen brennt.

Wenn ein Kind aus Heimweh weint, dann tut ihr etwas weh, dann hat sie Schmerzen in der Seele, im Herzen, die aufhören, wenn sie daheim ist, wenn sie wieder bei der Mutter oder beim Vater ist. So wird dieses Heimweh aufhören, wenn wir daheim bei Gott sind. Dieses „Warten-müssen“ macht die Verstorbenen so arm, sodass wir sie arme Seelen nennen. Es macht sie einsam, denn es fehlt ihnen das Liebste, das Beste, was sie sich wünschen, das Zuhause sein bei Gott.

Wir können so einem „heimweh-kranken“ Kind helfen durch unser Gebet, vor allem durch unser Gebet bei der hl. Messe. Bei jeder hl. Messe fließt erneut das Blut Jesu und wäscht die Armen Seelen rein.

Der Gedanke daran möge auch uns selbst wieder erinnern an ein gläubiges Leben, dass wir die Gebote Gottes halten, dass uns möglichst wenig Heimweh packt am Ende unseres Lebens, dass wir nämlich so bald als möglich bei Gott sein dürfen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2024