Christkönigssonntag C 2022
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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Christkönigssonntag 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Uns Christen ist klar, dass Christus der König des Weltalls ist. Damals vor 2000 Jahren war das nicht so klar und eindeutig, denn was ist das für ein König, der am Kreuz stirbt. Damals war das für die Juden unbegreiflich und unfassbar, denn sie stellten sich einen politischen Herrscher vor, der sie von der Besatzungsmacht der Römer befreien soll.

Ich möchte heute einen weltlichen König und unseren König Jesus Christus gegenüberstellen.

Wenn wir uns die Kreuzigungsszene vor Augen stellen und sie in Gedanken vergleichen mit der Krönungszeremonie eines Königs, gibt es mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Pilatus fragte ihn: Bist du ein König? Jesus antwortete: Ja, ich bin ein König. Jesus bekam aber die Dornenkrone. Über ihm wurde das Schild befestigt: Jesus von Nazaret, König der Juden.

Es war damals nicht ein Fest mit Musik und Fanfaren, sondern Stunden mit viel Tränen und viel Leid. Nur das Gelächter der um die Gewänder Jesu spielenden Soldaten war zu hören. Es war nicht eine Veranstaltung mit Antrittsreden und einer beeindruckenden Ansprache des neuen Königs, sondern der König musste Spott aushalten und ihm wurde nur Hohn entgegengebracht. Bei dieser Feier hatten die Menschen keine schönen Seidengewänder, sondern der König hing nackt am Kreuz, entblößt vor allem Volk, den Blicken mit Schmach ausgesetzt. Letztendlich war es keine Einladung für alle seine Freunde mit Tanz, sondern er war angenagelt, bewegungsunfähig und konnte nur mit einfachen Worten so manchen Trost noch vor seinem Tod spenden. Den größten Trost spendete er dem rechten Schächer. „Noch heute wirst du bei mir im Paradiese sein.“

Was braucht ein weltlicher König, damit er ein König ist? Er braucht eine Krone, ein Szepter und einen Thron. Auch hier finden wir viele Unterschiede.

Seine Krone war keine goldene Krone, sondern die Dornenkrone. Sein Szepter war nicht mit kostbaren Edelsteinen geschmückt, sondern er hatte ein wertloses Rohr, das man ihm bei der Verspottung in die Hand drückte. Und sein Thron ist zwar erhöht, aber nicht angenehm zum Sitzen, denn es ist das Kreuz, auf dem er erhöht wurde. Von dort herab aber herrscht er bis in Ewigkeit.

Damals konnte man sich nicht einen solchen König vorstellen. Denn was braucht ein König noch? Er braucht ein Volk, ein Reich und Macht.

Sein Volk hat ihn im Stich gelassen. Es wächst aber seit 2000 Jahren. Seine Diener sind die himmlischen Heerscharen, denn er sagte: Es würden ihm sofort mehr als zwölf Legionen Engel zu Hilfe kommen, wenn er den Vater nur darum bittet. Sein Reich ist nicht von dieser Welt mit einem großen Gebiet, sondern es ist das Himmelreich. Der rechte Schächer hat es erkannt: Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.

Seine Macht ist nicht eine unterdrückende Macht, sondern eine Macht über die Herzen der Menschen. Er hat die Macht der Wahrheit.

Der heutige Sonntag zeigt uns also Jesus als den mächtigen Herrscher des Weltalls, des Richters und des Königs. Ihm wollen wir dienen. In seinem Reich wollen wir einmal wohnen. Er wird uns in diese Wohnungen aufnehmen, wenn wir auf seine Stimme hören und seine Gebote beachten. Das will uns dieses Fest wieder in Erinnerung rufen.

Die Könige dieser Welt hatten gute Seiten und schlechte Seiten. Es gab gute und gerechte  Herrscher. Es gab welche, die oft nur Macht ausübten und viele unterdrückten. Unser König ist der König über all diese Könige, und er herrscht gerecht mit Macht, Wahrheit und unendlicher Liebe. Amen.

 


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022