Dreifaltigkeit C 2022
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Dreifaltigkeitssonntag 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

In meiner Heimatpfarre (in der Wallfahrtskirche Weihenlinden in Oberbayern) gibt es eine Darstellung der Heiligsten Dreifaltigkeit, die vom Papst Benedikt XIV. durch ein Dekret im Jahre 1745 verboten wurde.

Wie sieht diese Darstellung aus? Wir sehen da in der Kirche 3 Statuen. Diese 3 Männer sehen ganz gleich aus. Sie sind äußerlich nicht zu unterscheiden. Warum darf dieses Geheimnis so nicht mehr dargestellt werden? Welche Gefahren sah die Kirche darin, wenn ich mir so Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligen Geist vorstelle?

Beim Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit gibt es 2 Extreme. Die Kirche hatte mit 2 Gefahren zu kämpfen. Die eine Möglichkeit ist, dass der Ein-Gott-Glaube in Gefahr ist. Die andere Gefahr ist, dass die 3 Personen nicht deutlich genug beschrieben werden. Jesus ist dann keine wirkliche Person, sondern nur eine Erscheinungsform Gottes. Jesus hat nur einen Scheinleib, und das ist natürlich falsch.

Bei unserem Beispiel mit den 3 Männer befürchtete die Kirche das andere Extrem. Die Kirche sah in dieser Darstellung eine Versuchung zum Mehrgottglauben. 3 Götter dürfen wir uns eben auch nicht vorstellen. Gott ist einer in drei Personen.

Der heutige Dreifaltigkeitssonntag weist uns hin auf dieses tiefste Geheimnis unseres Glaubens. Gott ist kein einsamer Gott. In Gott sind 3 Personen unter denen ein reger Liebesaustausch stattfindet. Es ist ein Geheimnis im strengen Sinn. Nur weil Jesu Christus uns vom innersten Wesen Gottes etwas mitgeteilt hat, wissen wir davon. Die Lehre der Dreifaltigkeit unterscheidet uns von den anderen Religionen, die an den einen Gott auch glauben, wie z.B. das Judentum oder der Islam.

Über diese Glaubenswahrheit wurde in der 2000-jährigen Kirchengeschichte natürlich viel nachgedacht, und zuerst einmal muss man sagen, dass wir es nie ganz ergründen können.

Vom heiligen Augustinus gibt es diesbezüglich eine bedenkenswerte Überlieferung. Als er einmal über das Glaubensgeheimnis der Dreifaltigkeit Gottes nachdachte, sei ihm ein Kind begegnet, das mit einem Sieb das Meer auszuschöpfen versuchte. Augustinus habe das Kind auf die Unmöglichkeit dieses Tuns hingewiesen, worauf es geantwortet habe: In ähnlicher Weise versuchst du Gottes Unbegreiflichkeit zu erfassen.

Gott kann ich nie vollkommen erklären und beschreiben. Am besten aber kann ich es mit der Liebe. Gott ist die Liebe.

Gott ist die Liebe, das klingt nicht nur einfach, es ist auch für uns alle verständlich. „Gott ist die Liebe“ bedeutet, Gott ist kein starres Wesen. Gott ist nicht unbeweglich, sondern in Gott ist lebendige Beziehung. In Gott ist liebender Austausch und vertrauende Hingabe. Das ist nur möglich, weil in Gott Gemeinschaft ist, weil er dreifaltig ist. Aber es sind eben nicht drei Götter, sondern es ist nur ein Gott. Dieser eine Gott ist aber eine Gemeinschaft von Personen. Er ist eine geistige Liebesgemeinschaft.

Gott Vater und Sohn sind geistig so sehr eins, sie haben alles so gemeinsam, ihre geistige Liebe zueinander ist so groß und mächtig, dass eine eigene Person aus ihnen hervorgeht: der Heilige Geist. Der Heilige Geist ist das Band, das die beiden göttlichen Personen, Vater und Sohn, vereint. Der Heilige Geist ist die gemeinsame Liebe. Dieses innerste Leben Gottes ist also die absolute geistige Einheit liebender Personen. In Gott ist die gegenseitige Schenkung von vollkommener Liebe. Wir Menschen können nur staunend vor diesem großen Geheimnis davorstehen. Gott ist das ewige Geheimnis der Liebe. Als es noch keine Erde gab, als es noch keine Sonnen und Planeten gab, war Gott die Liebe. Und schon lange bevor es den Menschen gab, als es nur Pflanzen und Tiere auf dieser Erde gab, war Gott die Liebe. Dann aber hat Gott den Menschen geschaffen, als sein Abbild, als Abbild der Liebe, als Mann und Frau. Weil wir lieben können, sind wir gottähnlich. Der Mensch ist erschaffen für die Liebe. Das ist seine höchste Berufung.

Diese Berufung können wir Menschen auf vielfältige Weise ausüben. Wir tun dies in der Ehe. Die Eheleute legen Zeugnis für die Einheit, für die Gemeinschaft und für die Liebe des dreifaltigen Gottes ab. Die Ehegatten weisen darauf hin, dass Gott die Liebe ist. Aber auch die Ehelosen können mit ihrem Leben die Liebe Gottes bezeugen. Der Priester zum Beispiel verzichtet hier in diesem Leben auf die eheliche Liebe, um auf eine noch größere Liebe hinzuweisen. Er selbst übt sich darin schon und versucht Gott ohne Abstriche zu lieben. Es ist das Ziel eines jeden Menschen, dass er einmal in diese vollkommene Liebe Gottes aufgenommen wird. Die Ehelosen können so Zeugnis dafür geben, dass die letzte Erfüllung der Liebe noch aussteht, dass diese Welt noch nicht der Endpunkt unseres Lebens ist. Die Ehelosen geben Zeugnis, dass die Hochzeit des Himmels noch bevorsteht.

Der Sinn der Menschwerdung Gottes ist, am Leben des Dreifaltigen Gottes teilnehmen zu dürfen. Deshalb hat Jesus am Ende seines irdischen Lebens den Aposteln den Auftrag gegeben: „Geht hinaus in die ganze Welt zu allen Völkern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Wir sind auf den dreifaltigen Gott getauft. Wir sind getauft auf Gott, der die Liebe ist. Wir sollen Zeugen dieser Liebe Gottes sein.

Gott ist die Liebe! Unser Leben soll dies immer mehr bekennen und bezeugen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022