1. Fastensonntag C 2022
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1. Fastensonntag 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Mit dem Aschermittwoch sind wir in die 40-tägige Fastenzeit eingetreten. Es ist die Zeit der Umkehr und Buße. Die Kirche schenkt uns damit eine Zeit der Gnade, die uns geschenkt wird, wenn wir den Ruf Gottes hören und mit unseren Vorsätzen ernst machen.

Die Zahl 40 ist eine heilige Zahl. Wir finden sie oft in der hl. Schrift. Wir fasten 40 Tage, weil auch Jesus in der Wüste 40 Tage gefastet hat. Er wurde dann vom Teufel versucht: Wenn du Gottes Sohn bist, dann befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden! Dann kannst du deinen Hunger stillen. Jesus widersteht dieser Versuchung, obwohl er so lange gefastet hat. Das Fasten hat ihn also nicht so geschwächt, dass er keine Kraft mehr gehabt hat, der Versuchung zu widerstehen, sondern er war sogar gestärkt und sagte: Der Mensch lebt nicht nur von Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

Aber nicht nur das Fasten ist in dieser Zeit angesagt. Im Evangelium vom Aschermittwoch wurden wir auf drei Dinge hingewiesen: auf das Almosen geben, auf das Beten und auf das Fasten. Jesus weist hin, wie wir das tun sollen. Es gibt also eine falsche Art und Weise Almosen zu geben, zu beten und zu fasten. Es ist immer das gleiche Prinzip. Wenn es aus reinem Egoismus herauskommt, haben wir unseren Lohn bereits erhalten.

Wenn jemand sein Spenden in die Welt hinausposaunt, bekommt er keinen Lohn. Wenn er mit seinem Gebet angibt und sich brüstet, wenn er anderen sein Gebetspensum vorhält, bringt das keinen Segen. Wenn jemand fastet wie die Heuchler mit finsterem Gesicht, merken es die Leute und es bringt wenig.

Jesus sagt uns, wie wir Almosen geben sollen, wie wir beten sollen, wie wir fasten sollen. Dein Vater im Himmel sieht das Verborgene. Er weiß wie viel jemand gespendet hat. Er sieht das Gebet im stillen Kämmerlein. Er kennt jedes Opfer und jede Überwindung beim Essen und Trinken. Er bemerkt einfach alles. Nichts bleibt ihm verborgen.

Da kann nämlich einer viele große Opfer bringen, ohne dass der andere es merkt. Gott sieht es!

Nehmen wir die Fastenzeit ernst. Fassen wir gewisse Vorsätze und lassen wir diese Gnadenzeit nicht spurlos an uns vorübergehen!

Fasten kann auch folgendes bedeuten: Verzicht auf bestimmte Vergnügungen; Verzicht auf Fernsehen, Computer oder Video; Verzicht auf Alkohol und Zigaretten usw.

Fasten kann auch bedeuten: sich bemühen im Gehorsam und in der Liebe; einen längst fälligen Besuch einmal machen; Verwandte, Bekannte oder Kranke aufsuchen. Viele kleine Überwindungen können den Namen „Fasten“ verdienen.

Die heilige Theresia von Lisieux hat sich Speisen gewünscht, gegen die sie Widerwillen empfand, um sich selbst zu überwinden und Jesus damit Freude zu machen. Mit frohem Gesicht essen, was einem nicht schmeckt, und das sich nicht anmerken lassen, ist ein großes Fasten. Es ist natürlich nicht leicht, diese Dinge mit frohem Herzen zu tun. Es ist schwer, kein trauriges Gesicht zu machen, wenn ich mich da oder dort überwinden muss. Das alles ist aber dann ein großes Fasten.

Versuchen wir etwas davon! Wenn wir Sieger über unsere Triebe werden, macht uns das froh. Wenn ich sie beherrschen kann und in die gottgewollte Richtung lenken kann, bin ich selbst auf dem Weg zu Gott.

Das beste Fasten ist, wenn ich es aus Liebe zu Gott tue, wenn ich es gern mache, wenn ich kein trübseliges Aussehen habe und wenn die Leute es nicht merken, d.h. wenn ich es im Verborgenen tue. Wenn ich so handle, dann wird es mir Gott vergelten. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022