4. Fastensonntag C 2022
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4. Fastensonntag 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn oder besser vom barmherzigen Vater zeigt uns sehr schön den drängenden Wunsch Gottes, uns zu verzeihen und zu vergeben. Gott wartet immer sehnsüchtig auf das verlorene Kind. Er wartet, dass es umkehrt und zu ihm zurückkommt. Diesen Schritt der Umkehr muss die Person aber selbst vollziehen. Diesen Schritt kann Gott keinen abnehmen. Er wird jedoch immer seine Hand ausstrecken. Er wird zwar wie der gute Hirt das verlorene Schaf suchen, aber der Sünder muss dennoch ein Zeichen der Umkehr setzen. Er muss einsehen, dass er gefehlt hat. Er muss einsehen, dass er die Gebote Gottes übertreten hat. Er muss erkennen, dass er selbst schuld war, als er sich von Gott entfernte.

Dieser Schritt ist nicht leicht und kostet Überwindung. Bis dieser Schritt getan wurde, ist beim jüngeren Sohn eine gewisse Zeit verstrichen, in der er viel nachdachte. Das ist eine wichtige Phase in einem Menschenleben, dass er an Gott und an seine Gebote denkt, denn viele Menschen verschwenden in der heutigen Zeit kaum einen Gedanken daran. Die Frage nach Gott stellt sich bei manchen Leuten gar nicht. Zuerst war das bei diesem zweiten Sohn auch nicht der Fall. Er verschwendet keinen Gedanken an das Vaterhaus. Er fühlt sich wohl in seinem zügellosen Leben. Solange keine Not ist, fühlt man sich ohne Gott eben manchmal sehr wohl. Man geht seiner Arbeit nach. Man vergnügt sich in der Freizeit mit dem, was einem Spaß macht. Dann aber, als der Sohn das Vermögen verschleudert hatte, kam eine andere Zeit, eine Zeit des Elends und der Hungersnot.

So kommen immer wieder auch in unserem Leben andere Zeiten. Wir befinden uns seit über 2 Jahren in der besonderen Zeit der Pandemie, die viele Opfer von uns verlangte. Es ist jetzt zusätzlich die Zeit eines Krieges gekommen, in der wiederum unsere Machtlosigkeit ans Tageslicht kommt und wir Zeit haben nachzudenken.

Schließlich bekam der jüngere Sohn tatsächlich die Kraft aufzubrechen. Tagelang, wochenlang hat der Sohn das Elend mit sich zuerst herumgetragen und überlegt, was er tun könnte. Endlich kommt es zur Entscheidung: Ich will mich aufmachen. Wie oft gibt es das auch bei uns! Es kommt der Gedanke, ich könnte doch einmal wieder beichten gehen, und es wird wieder aufgeschoben. Das nächste Mal ist auch noch Zeit. Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach. Es kostet eine gewisse Überwindung, diesen Schritt zu machen.

Der dritte Schritt nach dem Überlegen und der Entscheidung aufzubrechen ist dann das persönliche Bekenntnis. Gott öffnet die Lippen des Sünders, und er gesteht sein Unrecht ein. Der verlorene Sohn bekennt seine Schuld: Ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Er schiebt die Schuld nicht auf andere, auf die Gesellschaft oder leugnet sie sogar. Nein, er steht dazu. Er gesteht dem Vater, dass er auf schiefe Bahn geriet. Er bereut und bittet um Vergebung mit dem demütigen Wunsch, ihn zu seinem Tagelöhner zu machen. Das ist der Vorsatz und die Bereitschaft zur Buße. Er ist bereit zur demütigen Wiedergutmachung.

Da gibt es jetzt für den barmherzigen Vater keinen Grund, ihn abzulehnen. Der Vater läuft ihm sogar entgegen. Alles ist vergessen. Wir hören kein nachtragendes Wort. Der durch die schwere Sünde tote Sohn lebt wieder.

Diesen Ruf nun darf der ältere Sohn nicht überhören. Er will nicht mitfeiern. Das Gleichnis ist offen. Wir wissen nicht, wie es ausgeht, wie sich der ältere Sohn verhalten wird und wie er auf die Bitte des Vaters reagiert. Hoffentlich ist er nicht so verbittert über den barmherzigen Vater, dass er sich verschließt und nicht zur Versöhnung bereit ist, denn dann hat er keinen Platz im Haus des Vaters, dann ist er bald der verlorene Sohn. Vielleicht ist uns das auch schon einmal passiert, dass wir meinen, jemand ist bevorzugt worden und es kommt in uns der Neid hoch. Wir meinen vielleicht, das ist ungerecht. Aber Gott ist nicht ungerecht. Gott wird auch zu uns sagen: Mein Kind, du bist immer bei mir und alles, was mein ist, ist auch dein. Er steht zu uns und wird unsere Treue einmal unendlich belohnen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022