12. Sonntag im Jahreskreis C 2022
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12. Sonntag im Jahreskreis 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Das Evangelium heute hat 3 Teile. Erstens stellt Jesus die Frage, wer er sei und Petrus bekennt: „Für den Christus Gottes.“ Er ist für ihn wirklich der Messias, der kommen soll, um uns zu erlösen. Diese Frage ist damals wie heute aktuell. Wer ist Jesus für dich? Wer ist Jesus für mich? Viele falsche Antworten hat es gegeben und geistern auch heute vielfach herum. Jesus ist mehr als nur ein Sozialreformer, ein Naturfreund, ein sittliches Vorbild und ein guter Mensch. Jesus ist der menschgewordene Sohn Gottes - der Messias. Die Antwort gibt Petrus, den er zu seinem Stellvertreter macht. Diesem Petrus hat Jesus dann die Schlüssel des Himmelreiches gegeben. Im Matthäusevangelium finden wir die berühmte Antwort Jesus: „Du bist Petrus, der Fels und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.“

Bei Lukas finden wir diese Antwort Jesu nicht, sondern es folgt zweitens die Leidensankündigung des Menschensohnes: „Der Menschensohn muss vieles erleiden.“ Er muss getötet werden. Und drittens hörten wir seinen Hinweis zur Leidensnachfolge für alle, die ihm nachfolgen werden. Ein Jünger Jesu muss den Leidensweg Jesu gehen. „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

Jesus sagt also nicht: Wer mein Jünger sein will, der suche das Vergnügen, der wird es gut haben, der wird nichts zu leiden haben, usw. Jesus sagt, „… der nehme täglich sein Kreuz auf sich“.

Warum sagt Jesus so was? Das schmeckt uns doch gar nicht. Das ist überhaupt nicht anziehend. Wie schaut dieses Kreuz aus? Einmal sagt er interessanterweise: Mein Joch ist süß und meine Bürde ist leicht. Es ist für uns Menschen äußerst schwierig zu verstehen, wie Gott das Kreuz und das Leiden uns Menschen auferlegen oder zumindest zulassen kann, denn Gott will für uns Menschen immer das Beste. Er will unser Glück. Er will uns froh machen. Ganz gleich, was uns im Leben zustößt, welches Kreuz wir zu tragen haben, wir wissen immer: Gott meint es mit uns Menschen gut, auch dann, wenn wir es so gar nicht verstehen können.

Das Leiden und das Kreuz dürfen wir nicht isoliert vom Christusgeheimnis betrachten, denn dann ist es sinnlos, grausam und unverständlich. Das Leiden müssen wir mit Christus betrachten. So wie er gesagt hat, dass der Menschensohn vieles zu erleiden hat, getötet wird, aber auch am dritten Tage auferstehen wird in Herrlichkeit, so ist auch uns nach dieser Welt die ewige Glückseligkeit im Himmel verheißen.

Jesus ruft uns, mit ihm seinen Weg zu gehen. Es ist der Weg des Kreuzes hin zum Leben und zur Auferstehung. Deshalb mahnt uns Jesus, täglich das Kreuz auf uns zu nehmen und sich selbst zu verleugnen. Selbstverleugnung! Was heißt das? Selbstverleugnung heißt, eigene Wünsche zurückstellen, sich beherrschen und in Zucht nehmen. Das sind alles Punkte, die der moderne Mensch, der sich selbst verwirklichen will, nicht gerne hört, denn Selbstzucht, Selbstbeherrschung und Selbstdisziplin kosten etwas. Wer das tut, muss sich anstrengen, muss auf etwas verzichten und muss Opfer bringen. Aber ohne diese Selbstverleugnung wird ein Leben nicht gelingen, wird es in der Ehe, in der Familie und in der Arbeit nicht funktionieren, wird es immer Streit geben. Es heißt hier eben Rücksicht nehmen, sich selbst zurückstellen, auf den anderen hören, usw.

Es sind falsche Propheten, die das Kreuz im Christenleben mit allen Mitteln streichen wollen. Es sind falsche Propheten, die meinen, die Aufgabe der Kirche sei es nur, das Leben angenehmer, pflichtenloser und damit, wie sie meinen, „menschlicher“ zu machen. Wenn wir jemanden helfen können, ist das gut und eine Christenpflicht, aber ein Leben ohne Opfer ist unrealistisch. Manchmal wird ein Opfer notwendig sein, und wir kommen durch Opfer zum Glück. Es ist ein Opfer, wenn die Mutter in der Nacht wegen ihres Kindes aufstehen muss. Aber es macht glücklich. Es ist, allgemein gesagt, oft ein Opfer, etwas Gutes zu tun, aber im Nachhinein ist man froh, dass man es gemacht hat, dass man sich durchgerungen hat, denn du hast damit jemand glücklich gemacht und damit etwas hergeschenkt, was du vielfach zurückbekommen wirst. Der gerechte Gott wird oft mit einem strengen Gott verwechselt. Dabei ist das unser Glück, dass er wirklich gerecht uns beschenkt, dass er all das Gute, das wir tun, nicht übersieht oder vergisst, sondern einmal auch belohnen wird, und dass er uns, die wir an ihn glauben, einmal an den ewigen Freuden im Himmel Anteil nehmen lässt. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022