2. Sonntag im Jahreskreis C 2022
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2. Sonntag im Jahreskreis 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Ich vermute, dass jeder von Ihnen schon einmal bei einer Hochzeit war. Mit einem Fest beginnt das Brautpaar den neuen Lebensweg. Da geht es sehr fröhlich zu, und es wird kräftig gefeiert. Wie ist es da oft bei so einem Fest? Ich denke zurück, es kann die schönste Feier verdorben sein, wenn sich einige der Gäste nicht mehr im Griff haben, wenn sie weit über den Durst trinken, wenn es nicht mehr lustig, sondern niveaulos, ja abfällig wird.

Der Alkohol wird gefährlich, wenn der Mensch nicht weiß, wo die Grenze ist. Hier wird es tragisch. Dann kommt sogar oft Leid. Ja, großes Unglück kann durch Alkohol kommen. Da ist Freude und Leid eng beieinander. Das kann alle Stände erfassen. Es gibt welche, die schon abhängig sind, aber auch einmalige Ausrutscher können schlimme Folgen haben, wenn man z.B. alkoholisiert einen schweren Autounfall verursacht usw.

Und jetzt meine Frage: Gibt es kein sinnvolleres Wunder für Jesus als 600 Liter Wasser in Wein zu verwandeln? Es waren 6 steinerne Wasserkrüge mit je 100 Liter. Warum diese unvorstellbare Menge? Auch wenn so orientalische Hochzeiten bis zu einer Woche dauerten, sind 600 Liter nicht auszutrinken. Hat also Jesus nichts Wichtigeres zu tun, als die Unmäßigkeit der Hochzeitsgäste zu unterstützen? Noch dazu war dies sein erstes Wunder! Was beabsichtigt Jesus mit diesem Wunder? Es geht ihm ja nicht einfach darum, Eindruck zu machen.

Ich versuche eine dreifache Antwort:

1. Die Menge, die Fülle des Weines deutet gerade doch darauf hin, dass Gott alles in Fülle schenkt, wenn wir ihn darum bitten.

2.  Jesus sieht die Not des Brautpaares und bewahrt es vor einer Blamage. Es ist nicht vorstellbar, dass bei einer Hochzeit der Gastgeber hätten sagen müssen: „Wir haben keinen Wein mehr.“ Jesus handelt aus Mitleid.

3. Jesus weist mit diesem Wunder, das auf die Fürbitte Mariens geschieht, bereits hin, wer Maria ist und welchen Stellenwert sie im Heilsplan Gottes einnimmt. Sie steht im Hintergrund. Sie ist die stille Frau, die nicht auffällt und doch ist sie die wichtige Person, denn Jesus wirkt auf Wunsch seiner Mutter das Wunder, obwohl seine Stunde noch nicht gekommen ist. Maria verändert also den Plan Jesu. Die Liebe des Sohnes zu seiner Mutter lässt Jesus anders handeln, wie vorgesehen.

Maria hat beobachtet und gemerkt, in welcher Not das Brautpaar ist.

Handeln wir so wie Maria! Gehen wir mit offenen Augen durch die Welt! Auch unsere Aufgabe als Christen ist zu helfen und im Gebet die Not anderer vor Gott zu tragen. „Sie haben keinen Wein mehr.“ Hinter diesem Satz steckt die flehentliche Bitte. „Tut alles was er euch sagt.“ Hinter diesem Satz steckt ein fester unerschütterlicher Glaube an den Sohn Gottes.

Einer hat einmal gefragt, ob denn die Hochzeitsgäste diese Unmenge von Wein je hätten austrinken können? Wir können diesem antworten: Nein, es blieb in der Tat noch sehr viel übrig. Es blieb so viel übrig, dass wir noch heute davon trinken. Er symbolisiert die Gnadenquellen Gottes, die im überreichen Maß jeden Tag fließen.

Jesus zeigt auch, dass er kein Feind der Freude ist. Alle Wunder Jesu haben den Zweck die Menschen wieder froh und glücklich zu machen, ihre Tränen zu trocknen, ihre Schmerzen zu lindern, ihre Sorgen wegzunehmen und auf ihn hinzuweisen, der vom Vater gesandt ist, der Macht über die Materie hat. Die Wunder sind Zeichen und Hilfen an den Sohn Gottes zu glauben, der gekommen ist, uns von den Sünden zu erlösen. Es ist dies alles Vorbereitung, den Glauben zu erleichtern, dass er auch den Tod besiegen kann durch seine Auferstehung.

So weist das erste Wunder bereits hin auf diese Allmacht des Gottessohnes, um den Glauben an ihn zu stärken und zu festigen. Er ist der Messias, der in die Welt gekommen ist, um die Menschheit zu retten. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022