20. Sonntag im Jahreskreis C 2022
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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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20. Sonntag im Jahreskreis 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

„Meint ihr, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, ich sage euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.“  Das klingt doch ganz unglaublich für christliche Ohren. Hat Jesus das tatsächlich gesagt? Wir möchten meinen, dass Jesus uns genau das Gegenteil sagen möchte. Folgende Worte klingen mehr nach Jesus: Meint ihr denn, ich bin gekommen, um die Menschen zu entzweien und sie meinetwegen in Konflikt zu bringen? Meint ihr denn, ich bin gekommen, eine Religion gegen die andere aufzuhetzen und Glaubenskriege zu entfachen? Nein, ich bin nicht gekommen, Kirchenspaltungen und Religionskriege zu bewirken. Ich bin nicht gekommen, Konflikte zwischen Lehramt und Theologen, zwischen Klerus und Laien zu provozieren. Ich bin nicht gekommen, um Spaltung zu bringen, sondern Frieden.“

So müsste Jesus doch gesprochen haben! Und das können wir auch mit Bibelzitaten untermauern. An Weihnachten hören wir den Chor der Engel die Botschaft verkünden: „Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind.“ In der Bergpredigt preist Jesus die selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden. Jesus sagt: „Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden.“

Müssen wir das heutige Evangelium nicht aus der Heiligen Schrift streichen, denn das widerspricht doch dem Geist Jesu?

Das Evangelium ist sicher auf den ersten Blick nicht so leicht zu verstehen. Wir dürfen uns aber nicht nur die Lieblingsstellen heraussuchen, sondern die ganze Hl. Schrift ist Wort Gottes. Jede Stelle der Hl. Schrift ist inspiriert, d.h. bei jeder Stelle wirkte Gottes Geist mit. Der Hl. Geist spricht auch aus diesen Stellen, die uns momentan nicht so angenehm sind.

Versuchen wir es auszulegen:

Wir stellen fest, dass durch das Auftreten Jesu nicht immer der Friede ausströmte. Die Menschen nahmen Anstoß an ihm, vor allem die Schriftgelehrten, die Pharisäer und die Hohepriester. Es kam durch ihn Spaltung. Er verlangte eine Entscheidung: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ Christus ist zum Eckstein geworden. Er wurde ein Stein des Anstoßes.

Stellen wir dies nicht auch immer wieder in unserer Zeit in unseren Familien fest. Der eine glaubt an Christus, der andere nicht; der eine geht in die Kirche, der andere nicht.

Wie war das bei den Urchristen. In wie vielen Familien kam Spaltung und ein sogenannter Unfriede hinein, als ein Teil plötzlich begann, sich mit dem Glauben der Kirche und mit Christus näher zu beschäftigen und sich bekehrte. Plötzlich war Streit da. An Christus scheiden sich die Geister. Die ersten Christen wurden in der Zeit des Urchristentums manchmal aus der Familie, die vielleicht heidnisch blieb, ausgestoßen, wenn sie Glück hatten und nicht in der Zeit einer Christenverfolgung lebten.

In der heutigen Zeit gibt es die Spaltung in den Familien auch, wenn die Kinder und die Jugendlichen nicht mehr in die Kirche gehen. Das schmerzt oft die Eltern. Jetzt sind es oft schon die Großeltern, weil auch viele Eltern nicht mehr gehen.

Mit Jesu Auftreten ist die Stunde der Entscheidung angebrochen. Wir müssen uns für ihn oder gegen ihn entscheiden. In diese Entscheidung trieb Jesus immer wieder seine Jünger, und diese Entscheidung verlangt Christus von jedem von uns. Diese Entscheidung bringt Konflikte, Streitigkeiten und Spaltungen mit sich. Nicht dass wir bewusst Streit anfangen sollen, nein, nicht wir sollen dieses Feuer, das er auf die Erde werfen will, legen, sondern dieses Feuer ist das Feuer des Heiligen Geistes. Jesus will, dass wir Christen ein Feuerbrand durch den Heiligen Geist werden, der die ganze Welt erfasst. Das Evangelium soll in uns ein Feuer entzünden, in unsere Herzen. Ein Feuer des Heiligen Geistes, das in uns eine reinigende und erneuernde Kraft hat. So wie das Eisen, das im Feuer erhitzt wurde, nie rostet und klar und rein wurde, so soll das Feuer auch uns von Sünden reinigen, dass wir ein reines Herz haben. Dieses Feuer wird in uns brennen, aber uns nicht verbrennen. So wie der Dornbusch brannte und doch nicht verbrannte. Lassen wir uns vom Feuer der Liebe Gottes entzünden. Dieses Feuer soll sich ausbreiten über die ganze Erde. Und Jesus sagt: „Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022