21. Sonntag im Jahreskreis C 2022
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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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21. Sonntag im Jahreskreis 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

„Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Mit anderen Worten: „Wie viele kommen in den Himmel? Wie viele erreichen ihr Ziel?“ Eine Frage, die sehr spannend ist, die heutzutage aber immer weniger gestellt wird. Eine Frage, die viele Menschen gar nicht mehr interessiert, bzw. immer mehr Menschen machen sich über ein Leben nach dem Tod keine Gedanken. Sie leben in den Alltag, wie wenn es nachher nichts mehr gäbe.

So ist der, der heute diese Frage stellt, schon zumindest ein Interessierter, der an die Ewigkeit glaubt. Diese Ewigkeit ist unser Ziel. Wir dürfen es nicht vergessen.

Merken wir uns den Spruch: Denk daran, dass die Zeit mündet in die Ewigkeit.

Daher die Mahnung Jesu: „Bemüht euch mit allen Kräften durch die enge Tür (zur ewigen Glückseligkeit) zu gelangen“, denn draußen wird „Heulen und Zähneknirschen sein“. Wer sich nicht bemüht, dem kann passieren, dass die Tür zugesperrt wird.

Jesus antwortet nicht direkt auf die Frage. Er nennt nicht eine Zahl der Geretteten. So manche hätten sich das sicher gewünscht. Er sagt nur: Gebt euch Mühe, dass ihr ins Himmelreich kommt; denn wenn es einmal zu spät ist, nützt euch alles nichts mehr! Für Neugierige ist die Antwort enttäuschend. Für Suchende war die Antwort klar. Jesus will mit seinem Gleichnis auf den Ernst des Lebens und auf die Einmaligkeit unseres Erdendaseins hinweisen. Bemüht euch! Strengt euch an! Es ist eine enge Tür. Viele versuchen reinzukommen und es gelingt ihnen nicht. Dies sind gerade solche, die mit ihm beisammen waren, die mit ihm gegessen und getrunken haben und die er gelehrt hat. Aber eben das ist das Problem. Sie haben es nur gehört und haben es nicht befolgt. Das Evangelium ist die gnadenlose Verurteilung eines reinen Taufscheinchristentums. Nur mit dem Taufschein in der Hand haben wir nicht die Eintrittskarte ins Himmelreich. Wir müssen uns also schon ein wenig anstrengen, sonst kann es irgendeinmal zu spät sein.

Und wann ist es zu spät? Wann ist die Tür verschlossen? Für die Menschheit am Jüngsten Tag, wenn der Herr wiederkommt! Für den Menschen selbst in der letzten Stunde seines Lebens. Ein ganzes Leben können wir uns vorbereiten. Mit dem Tod ist es aber vorbei. Die Zeit der Gnade ist, solange wir leben. Wenn die Tür ins Schloss gefallen ist, wenn der Herr des Hauses aufsteht, die Tür verschließt und wir stehen draußen, dann können wir nicht mehr umkehren, dann gibt es keine Buße, keine Besserung und keine Vergebung mehr. So schrecklich dieser Gedanke ist, so trostvoll ist es für die, die durch die enge Tür gelangt sind. Nach dem Tod gibt es keine Gefährdung mehr, keine Versuchung mehr, keine Prüfung mehr, kein Verlust der Gnade mehr, nichts mehr, was uns von Gott trennen könnte.

Die Frohe Botschaft Jesu redet uns Menschen nicht nach dem Mund und verheißt uns nicht ein leichtes und müheloses Leben. Sie enthält manche unangenehme Wahrheit. Aber gerade weil sie nichts verschleiert und nichts verschweigt, und weil sie die ganze Wirklichkeit zeigt, weist sie den wahren Weg zur Freude und ist gerade so Frohe Botschaft, die wir nur dankbar und gelehrig aufnehmen können. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022