27. Sonntag im Jahreskreis C 2022
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27. Sonntag im Jahreskreis 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

In vielen Pfarren wird heute das Erntedankfest gefeiert. Dieses Fest wird, wie wir wissen, nicht immer am gleichen Sonntag gefeiert wird, doch die Sonntagsevangelien Ende September und Anfang Oktober passen meistens alle sehr gut zu diesem Thema. So ist auch im heutigen Evangelium von einem Senfkorn und vom Verpflanzen die Rede, vom Pflügen, vom Vieh hüten, vom Essen und Trinken. All das hat im weiteren Sinn mit Erntedank zu tun.

Wer zu essen und zu trinken hat, der muss auch dafür danken, denn dies ist nicht selbstverständlich. Es gibt immer noch den Hunger in vielen Ländern der Welt. Die Zahl der akut an Hunger leidenden Menschen beträgt im Jahr 2022 etwa 345 Millionen Menschen. Etwa 35 Millionen sterben an Hunger bzw. den unmittelbaren Folgen. Wer auf dem Feld arbeitet, wer mit Tieren arbeitet, wer pflügt, der spürt in besonderer Weise, dass Gott auch für die Ernte das entsprechende Wetter schicken muss, wenn es nicht zu Missernten kommen soll.

Und doch geht es im heutigen Evangelium eigentlich nicht um das Danken konkret, sondern um den Glauben. „Stärke unseren Glauben!“. Das ist die Bitte der Jünger. Habt wenigstens einen Glauben, der so groß ist wie ein Senfkorn. Das würde ausreichen, um ganz Großes zu leisten.

Wie kann man den Glauben stärken? Jesus beauftragt Petrus: Stärke deine Brüder. Damit sind auch seine Nachfolger gemeint. Damit ist in erster Linie der Papst gemeint, dann ebenso die Bischöfe und die Priester. Schließlich sind wir Christen alle aufgerufen, uns gegenseitig im Glauben zu stärken. Der Glaube wird gestärkt, wenn wir gemeinsam Eucharistie feiern, wenn wir gemeinsam beten, und wenn wir die Sakramente empfangen. Das können wir selbst tun, um den Glauben zu stärken. Wenn wir hier treu sind und uns bemühen, wird Gott die Gnade dazu schenken, die es eben auch braucht, damit der Glaube in uns zunimmt. Der Glaube ist nämlich eine übernatürliche Tugend, die uns Gott ins Herz eingießen muss. Er ist ein Geschenk Gottes. Das wird deutlich, wenn Jesus zu Petrus nach dem Messiasbekenntnis sagt: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel!“ Dass ich der Messias bin, der Sohn des lebendigen Gottes, das hast du nicht aus dir. Diesen Glauben hast du von meinem Vater im Himmel empfangen. Der Glaube ist also eine eingegossene übernatürliche Tugend. Er kommt von Gott. D.h. Gott macht den ersten Schritt. Er gibt uns die Voraussetzung, um glauben zu können.

Erst als zweiten Schritt ist der Glaube ein menschlicher Akt. Der Mensch muss dann in seiner Freiheit den geoffenbarten Wahrheiten zustimmen. Ich muss Ja sagen zum Glauben der Kirche. Ich bin ein freier Mensch und kann ohne Probleme auch den Glauben an Gott ablehnen, Gott zurückweisen und Gott leugnen.

Wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Verpflanz dich. Dieser Satz ist schon sehr gewagt. Jesus verlangt einen Glauben, der an Wunder glaubt. Jesus will einen Glauben von uns, der das Eingreifen Gottes auf diese Erde nicht leugnet, der dem lieben Gott hier auf Erden mitreden lässt. Jedes Wunder, das Jesus gewirkt hat, ist so ein Eingreifen Gottes auf dieser Erde. Ich will nicht wundersüchtig sein, aber manchmal spürt man geheimnisvoll das Wirken Gottes hier auf Erden. Dem lieben Gott sind wir nicht egal. Er kümmert sich um uns. Er schaut auf uns. Er ist uns nahe in jeder Stunde unseres Lebens. Das Problem liegt auf unserer Seite. Weil wir diesen Kontakt zu ihm zu wenig suchen und uns bemühen. Wäre dies der Fall, würden wir viel öfter die Spuren Gottes in unserem Leben erkennen und vielleicht sogar spürbar erfahren. Lassen wir Gott in unserem Leben mitspielen! Dazu müssen wir offen sein. Dazu müssen wir ihm Gelegenheit geben. Wenn wir immer wieder zu ihm rufen, d.h. beten, bitten und danken, dann ist das zugleich die Möglichkeit für Gott, uns wieder zu zeigen, dass es ihn gibt und dass er bei uns ist, dass er besonders unter uns ist, wenn wir gemeinsam beten und feiern. Ja er ist sogar in gewissen Sinn in unserem Herzen. Das soll fest unser Glaube sein. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022