3. Sonntag im Jahreskreis C 2022
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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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3. Sonntag im Jahreskreis 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Das Bild vom Leib mit den vielen Gliedern, das wir in der Lesung gehört haben, ist ein schönes Bild für die Kirche. Es zeigt wunderbar, dass in der Kirche Platz für Menschen ist, die verschiedene Charismen haben, die verschiedene Talente haben, die sich mit ihren hervorragenden Gaben einbringen können und die für die Kirche wichtig sind.

Bei dieser Lesung fällt mir immer auch gleich spontan die hl. Theresia von Lisieux ein, die in ihrer Selbstbiographie gerade darüber berichtet, dass diese Bibelstelle für sie eine so schöne Betrachtung bewirkt hat. Sie schreibt: „Ich fühle in mir die Berufung zum Krieger, Priester, Apostel, Kirchenlehrer und Märtyrer. Ich möchte alle heldenmütigsten Werke vollbringen. Vor allem möchte ich Märtyrer sein. Öffne, mein Jesus, dein Buch des Lebens, in dem alle Taten deiner Heiligen aufgezeichnet sind: Sie alle möchte ich für dich vollbracht haben.“

Sie spüren den Tatendrang dieses jungen Mädchens. Es möchte die größten Abenteuer für Jesus vollbringen.

„Da diese Sehnsucht ein wirkliches Martyrium wurde, öffnete ich eines Tages die Briefe des heiligen Paulus, um irgendein Heilmittel für meine Qual zu suchen. Die Kapitel 12 und 13 des 1. Korintherbriefes fielen mir unter die Augen. Dort las ich, dass nicht alle zugleich Apostel, Propheten und Kirchenlehrer sein können, dass die Kirche sich aus verschiedenartigen Gliedern zusammensetzt und dass das Auge nicht zugleich Hand sein kann.“

Für Theresa war jetzt klar, was Paulus damit ausdrücken will: Jeder hat seine Aufgabe in der Kirche. In der Kirche gibt es viele Aufgaben, und jeder wird gebraucht: die Hand, das Auge, das Ohr, ... Jedes Glied ist wichtig für den Menschen, sonst würde etwas fehlen, sonst ist er beeinträchtigt.

In der Kirche sollen wir also dort, wo wir unseren Platz gefunden haben, das Beste daraus machen.

Die hl. Theresia suchte dann ihren Platz. Wo will mich Gott haben? Sie erkannte sich in keinem dieser Glieder oder richtiger: Sie hätte sich gerne in jedem Glied gesehen. Und dann fand sie ihren Platz, als sie im Brief das nächste Kapitel las. Hier zeigt Paulus den höheren Weg: Es ist der Weg der Liebe. Ich habe nun meinen Platz gefunden. Sie sah, dass die Kirche ein Herz hat und dass dieses Herz von Liebe brennt. Sie sah ein, dass diese eine Liebe die verschiedenen Glieder der Kirche zur Tätigkeit antreibt, und wenn diese Liebe erlischt, keine Apostel mehr das Evangelium verkünden und keine Märtyrer mehr ihr Blut vergießen werden. Sie erkannte, dass die Liebe alles umfasst. Da wurde sie so begeistert von diesem Gedanken und rief innerlich aus: Jesus, meine Liebe, endlich habe ich meine Berufung gefunden: Mein Beruf ist die Liebe. Ich will im Herzen der Kirche, meiner Mutter, die Liebe sein und so werde ich alles sein und meine Sehnsucht wird gestillt.

Finden wir alle, liebe Brüder und Schwestern, diese Berufung! Wir alle sind zur Liebe in der Kirche berufen. Wir alle sollen nach der Liebe streben. Wer nach der Liebe strebt, der sucht das Höchste, der hält den ganzen Organismus der Kirche in Bewegung. Die Liebe belebt die Kirche und macht die Kirche anziehend. Wer diese Liebe in der Kirche lebt, der tut auch am meisten für die Einheit. Denn die Einheit kann man nicht machen, für die Einheit muss man beten und die Einheit muss man leben und dazu ist der beste Weg der Weg der Liebe. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022