4. Sonntag im Jahreskreis C 2022
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4. Sonntag im Jahreskreis 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Wir hörten in der Lesung vom sogenannten Hohenlied der Liebe. Sie steht im 1. Brief des hl. Paulus an die Korinther. Manchmal wird dieser schöne Text bei einer Hochzeit vorgelesen. Schauen wir ihn uns näher an.

Es wird gerne über die Liebe geschrieben. Viele Liebeslieder gibt es. Oft wird über das Thema Liebe gesprochen, gepredigt und nachgedacht. Bei Paulus finden wir Worte über die Liebe, die kaum übertroffen werden können an Schönheit und Wahrheit. Der große Völkerapostel zählt zuerst einmal alles auf, was nichts ist ohne die Liebe. Ohne die Liebe ist einfach alles, was wir tun, nichts wert. Was nützt es, wenn ich alle Sprachen könnte, d.h. wenn ich begabt bin und glänzend reden kann? Ohne Liebe nützt es mir nichts für die Ewigkeit?

Paulus wird noch kühner: „Wenn er einen Glauben hätte, der Berge versetzte!“ So wie es Jesus sagte: „Wenn euer Glaube nur so groß wie ein Senfkorn wäre, ihr könntet Berge versetzen.“ Es scheint fast der Lehre der Kirche zu widersprechen, die sagt: Wer an Jesus glaubt, wird gerettet. Paulus sagt: Ohne Liebe nützt es dir nichts!

Schließlich betont er: Wenn ich alles den Armen schenken würde, - wie z.B. der hl. Franziskus - so nützt es mir ohne Liebe auch nichts. Wir können uns selber fragen, aus welchen Beweggründen wir etwas spenden! Da gibt es Menschen, die einen lästigen Sammler schnellstens wieder los haben wollen und schreiben auf die Liste schnell einen Betrag. Ist das Liebe? Sicherlich nicht! Andere sehen sich die Liste an und schauen, was der Nachbar gegeben hat. Ist das Liebe? Sicherlich nicht! Wieder andere denken nach, wie viel steuerliche Vorteile herausspringen. Ist das Liebe? Sicherlich auch nicht! Verstehen sie mich nicht falsch. Wenn jemand spendet, ist das nicht schlecht. Es dient etwas Gutem, aber mit dem, was christliche Liebe im Tiefsten bedeutet, muss es nicht unbedingt etwas zu tun haben. Paulus hat recht, wenn er sagt: „Und wenn ich all meine ganze Habe für die Armen verschenkte, aber die Liebe nicht habe, nützt es mir nichts.“

Und jetzt kommt er zum Höhepunkt: „Wenn ich als Märtyrer für Christus den Feuertod sterben würde“ Wie heroisch das alles wäre! Das Größte für Christus geben! Sein eigenes Leben hingeben, so wie Christus selber sein Leben hingegeben hat. Aber ohne Liebe ist es nichts, schreibt Paulus gewagt. Und er hat recht!

Gott kennt das Gesetz der Liebe. Darum erzählt Jesus das Beispiel mit der armen Witwe, die einen Cent in den Opferkasten wirft: Wahrlich, ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr geopfert als alle, die etwas in den Opferkasten geworfen haben. Denn alle anderen haben von ihrem Überfluss gespendet. Sie aber hat in ihrer Armut alles geopfert. Sie hat alles gegeben, was sie besaß: ihren ganzen Lebensunterhalt. Und es ist sicher, sie hat es mit Liebe geopfert. Weil sie Liebe hatte, deshalb war es wertvoll für die Ewigkeit.

Im 2. Teil erklärt Paulus so schön, was und wie die wahre Liebe ist, wie sie sich auswirkt und zeigt: Liebe ist geduldig. Liebe gibt nicht an. Sie bläht sich nicht auf. Liebe ist nicht nachtragend. Sie verzeiht. Diese Liebe hört niemals auf. Alles vergeht einmal, aber diese Liebe reicht hinein bis in die Ewigkeit. Paulus zeigt damit das schöne Idealbild der Liebe. Es gibt leider viele Zerrformen davon. Was kann jemand alles meinen, wenn er sagt: Ich liebe dich. Wie oft ist es nur eine egoistische Liebe? Wie oft will man eigentlich nur seine eigenen Wünsche befriedigen? Wie oft heißt es eigentlich mehr: Ich liebe mich. Und nicht in Wirklichkeit: Ich liebe dich.

Sicherlich ist diese Idealform nicht leicht zu leben und auch gar nicht so leicht zu erreichen. Diese Liebe muss man geduldig lernen. Man muss darum beten, sich täglich neu darum bemühen und darum ringen. Aber es soll unser Ziel bleiben. Es ist einfach das schönste Ziel, das wir anstreben sollen, denn diese Liebe macht uns glücklich. Diese Liebe ersehnt sich jeder Mensch im Innersten seines Herzens. Diese Liebe können wir vom hl. Paulus lernen. Diese Liebe werden wir dann in der Ewigkeit bei Gott genießen dürfen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022