7. Sonntag im Jahreskreis C 2022
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7. Sonntag im Jahreskreis 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Vom hl. Klemens Maria Hofbauer wird folgendes erzählt. Als er wieder einmal bettelnd von Haus zu Haus ging, um Almosen für die Armen, die er betreute, zu sammeln, wurde er an einer Tür mit harten Worten abgefertigt. Der Gottlose und Kirchenhasser, der seine Tür öffnete und den Mann im Priesterkleid vor sich sah, spuckte ihm ins Gesicht und schrie ihm zu, er solle schauen, dass er weiterkomme. Klemens aber wischte sich seelenruhig sein Gesicht ab und sagte darauf mit freundlicher Miene: „Sehen sie, mein Herr, was sie mir jetzt gegeben haben, war für mich, darf ich aber auch noch für meine Armen um eine Gabe bitten?“ Auf diese Haltung hin war der Mann so beeindruckt und gab doch eine Spende für die Armen.

Mit dieser Reaktion hat der Mann also nicht gerechnet, und er hat seine Meinung geändert. Klemens Hofbauer hat es also geschafft durch seine Worte, die auf der Lehre Jesu beruhen, einen Menschen nachdenklich zu machen und zu einer Spende zu veranlassen. Er hat nicht Gleiches mit Gleiches vergolten. Er hat sich „anders verhalten“. Er hat sich nicht so verhalten, wie man sich normalerweise verhält.

Im heutigen Evangelium verlangt Jesus gerade dieses sich „anders verhalten“.

Mir scheint, dies ist das Schwierigste und Herausforderndste unseres Glaubens. Es ist dies die Forderung der Feindesliebe. Es widerspricht jeglichem „normalen“ Denken. Im AT hörten wir noch das einleuchtende Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Wer sein Leben meistern will, muss doch mit zwei Beinen auf dem Boden stehen und kann sich nicht alles gefallen lassen. Falls Menschen feststellen, ich kann mit dem machen, was ich will, der schluckt alles, der widerspricht mir nicht, der gibt alles, der wehrt sich nicht, wird man doch sicher seine Gutmütigkeit ausnützen und dieser wird sich anschauen und ist nicht fähig den Lebensalltag durchzustehen. Die Anweisungen Jesu wirken weltfremd.

Jesus verstärkt das Gebot der Feindesliebe mit 7 „unmöglichen Anweisungen.

Die erste Anweisung: „Tut denen Gutes, die euch hassen.“ Wenn Jesus dies sagt, dann zeigt er, dass es nicht genügt, seine Feinde einfach stillschweigend zu ertragen. Man muss ihnen vielmehr Gutes tun.

Die zweite Anweisung: „Segnet die, die euch verfluchen.“ Das heißt, wir dürfen die nicht verfluchen, die uns verfluchen. Auf diese Weise werden wir den Teufelskreis sprengen, den wir so oft bei Feindschaften vorfinden. Nur wenn wir sie segnend Gott empfehlen, wird die Situation eine andere. Nur dann ist von meiner Seite her die Bereitschaft zur Versöhnung vorhanden und damit der erste Schritt getan.

Die dritte Anweisung: „Betet für die, die euch misshandeln.“ Wir sollen also unsere Gegner in unser Gebet aufnehmen. Das ist die echt christliche Reaktion auf die Misshandlung, die wir von unseren Gegnern erfahren. Jesus selbst gab uns in der Todesstunde das entsprechende Beispiel, als er für seine Todfeinde am Kreuz gebetet hat: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Sein erster Märtyrer, der hl. Stephanus, hat ihn nachgeahmt und ebenfalls seinen Feinden beim Sterben verziehen und für sie gebetet.

Die vierte unmögliche Anweisung: „Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin.“ Das ist nur dem möglich, der auf jede Gegenwehr verzichtet. Dabei bedeutet das Schlagen, um das es hier geht, nicht nur körperliche, sondern auch seelische Verwundungen. Der Geschlagene verzichtet auf Vergeltung, weil er weiß, Gott wird einmal richten und vergelten. Es geht hier auch darum, Beleidigungen und Spott zu ertragen.

Die fünfte Anweisung: „Dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd.“ Es klingt momentan so befremdend und schwer nachvollziehbar, dass wir nur flehen können: Lieber Gott, hilf mir, falls ich in so eine Situation komme, deine Worte zu befolgen. Es wird nur gelingen mit der Gnade Gottes.

Die sechste Anweisung ist ebenso schwer zu befolgen: „Gib jeden, der dich bittet.“ Jedem! Also auch deinem Feind! Die einzige Voraussetzung, die uns vielleicht ein wenig beruhigt, ist die, dass er bitten muss. Wir können nur hoffen, dass er nicht bittet.

Als siebte und letzte Anweisung zur Feindesliebe sagte Jesus: „Wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.“ Mit anderen Worten: Das, was dir weggenommen wurde, soll für dich kein Grund zum Streiten sein.

All diese unmöglichen Anweisungen, die Jesus uns heute drastisch vor Augen stellt und nicht nur vor Augen stellt, sondern verlangt danach zu handeln, bedeuten für uns Anstrengung. Sie sind nicht leicht zu befolgen. Es fordert von uns den Willen und viel Überwindung. Aber wenn wir so handeln und unsere Feinde lieben, für sie beten und Gutes tun, dann wird unser Lohn groß sein. Das verspricht uns Jesus im heutigen Evangelium. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022