4. Ostersonntag C 2022
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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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4. Ostersonntag 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Jesus Christus, der als guter Hirte dargestellt wird, ist ein sehr altes und beliebtes Bild der Kirche. Es ist ein Bild, das der Herr selbst verwendet. Es ist ein Bild, das zur damaligen Zeit einen Sitz im Leben hatte. Es gab viele Hirten in dieser Gegend. Jeder wusste, wie ein Hirte ausschaut. Jeder kannte die Aufgaben eines Hirten. Jedem war klar, was ein Hirte zu tun hatte. Jedes Kind schon machte die Erfahrung, dass die Schafe auf die Stimme des Hirten hörten, dass sie ihm blind folgten, und dass er, wenn er eben seinen Beruf ernst nahm und ein guter Hirte war, bei Gefahr die Herde bis aufs letzte verteidigen würde. Es ging ja auch um seine Lebensexistenz.

Jesus offenbarte sich schon vor seinem Tod als der gute Hirte. Er spricht von sich als der, der sein Leben gibt für die Schafe. Hier wird die Liebe Jesu zu uns Menschen deutlich. Wir sehen seine Sorge um unser Seelenheil. Der gute Hirt geht wirklich dem verlorenen Schaf nach, sucht es, befreit es aus dem Dornengestrüpp und trägt es zurück. Dieses Bild ist uns allen sicher präsent.

Als er den Jüngern zum dritten Mal erschien, - wir hörten dies letzten Sonntag im Evangelium - sagte er zu Petrus: „Weide meine Schafe, weide meine Lämmer.“ Damit überträgt Jesus das Hirtenamt dem Simon Petrus und seinen Aposteln. Jeder Priester soll so ein Hirte sein. Er soll der Hirte seiner anvertrauten Herde sein.

Bis auf den heutigen Tag also hat sich dieses Bild gehalten. Auch wenn es in unserer Gegend keine Hirten mehr gibt. Aber durch Bilder und durchs Erzählen weiß jedes Kind, was damit gemeint ist.

Wenn wir von der „Pastoral“ sprechen, kommt das ja von nichts anderem als von „Pastor“ und das heißt auf deutsch „der Hirte“.

 Das heutige Bild also sagt uns, dass wir Christen so wie die Schafe auf die Stimme des Hirten hören sollen. Wenn wir echte Christen sein wollen, müssen wir auf Jesus hören. Wie hören wir die Stimme Jesu? Jesus selbst sagt zu seinen Jüngern: „Wer euch hört, der hört mich.“ Die Apostel und die Nachfolger der Apostel sind berufen all das zu lehren, was Christus gesagt hat.

Jesus ist der ewige Hohepriester und der gute Hirte schlechthin. Der Priester vertritt Christus. Er steht an seiner Stelle. Er verkündet seine Botschaft. Er handelt im Auftrag und in der priesterlichen Vollmacht des Herrn, der eben seinen Aposteln und ihren Nachfolgern jene Aufträge und Vollmachten übertragen hat.

Wenn er die Eucharistie feiert und die Gaben verwandelt, verwandelt Christus. Christus ist es, der durch den Mund und mit den Lippen die Worte spricht: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut.“  Wenn er Beichte hört und die Lossprechung gibt, spricht Christus los. Immer wenn er die Sakramente spendet, tut dies letztlich Christus durch ihn. Er handelt „in persona Christi“, d.h. in der Person Christi. Wenn der Priester ein Meßkleid und andere liturgische Gewänder anzieht, tut er es nicht, um sich zu dekorieren, sondern um sich dahinter zu verbergen und Christus zu verdeutlichen, weil Christus durch ihn wirkt und handelt.

Der heutige Gute-Hirte Sonntag ist zugleich Weltgebetstag für geistliche Berufe. Die geistlichen Berufe sind eine große aktuelle Herausforderung und Sorge der Kirche von heute in Europa.

Was sind die Gründe für den Rückgang geistlicher Berufe? Natürlich müssen wir bedenken, dass es in den Familien weniger Kinder gibt. Sicherlich hängt der Rückgang der Zahl der Priester mit dem Rückgang der Kirchenbesucher zusammen. Es fehlt die Jugend. Bei dieser Krise spielt auch die Wohlstandsgesellschaft eine große Rolle. Und Corona hat dann noch diese Abwärtsbewegung beschleunigt.

Schließlich ist das Priestertum selbst in der heutigen Zeit stark in der Krise. Der Priester leidet manchmal unter einem Identitätsverlust. Was ist der Priester? Wie soll der Priester sein? Wenn ich mir solche Fragen stelle, lese ich gern bei meiner Primizpredigt nach. Mein Primizprediger legte mir damals folgendes ans Herz:

„Die Menschen erwarten von Dir nicht den perfekten Manager, auch nicht den „religiösen Entertainer“ bei den diversen Pfarrfesten. Es kommt auch nicht zuerst darauf an, ob Du gut singen kannst, elegant redest, ob Du modern bist, aufgeschlossen für das Aktuelle und ein sympathischer Mensch - das alles kann schmerzlich sein, wenn es fehlt und es ist recht, wenn diese Gaben da sind. Es ist aber nicht das Entscheidende. Sondern immer und zuallererst bist Du als Priester ein „Diener Christi und ein Verwalter und Ausspender der Geheimnisse Gottes.“ Und von einem Verwalter - sagt der hl. Paulus - erwartet man nur eines: nämlich, dass er treu erfunden wird. Gott erwartet von Dir, dass Du ihm treu bist. Und ebenso erwarten dies die Gläubigen. Denn Dein Beispiel der Treue wird eine Bestärkung und Ermutigung sein für all jene - für die Eheleute, die Familien und die Jugend -, die heute im Feuer der Prüfungen und Versuchungen resignieren wollen.“

Die Treue ist also das Größte. Darum hören die Schafe auf die Stimme des Hirten, weil sie wissen, dass er treu ist, so wie Christus in Treue dem Willen des Vaters gehorsam war und sein Leben gab für das Leben der Schafe. Beten wir, dass in der heutigen Zeit der Wert der Treue wieder mehr erkannt wird, dass die Braut dem Bräutigam treu sein darf, dass der Mann seiner Frau treu bleibt, dass sie ihr Versprechen ernst nehmen und dass ihr Leben dadurch nicht zur Lüge wird. Beten wir, dass auch die Priester und alle Gottgeweihten treu bleiben. Diese Treue ist das Vorbild für die Jugend, dass sie den Mut wieder bekommt zu einer christlichen Eheschließung oder zum Schritt der Ganznachfolge Christi. Für beide Stände müssen wir beten, denn sie sind vielen Angriffen und Gefahren in der heutigen Zeit ausgesetzt. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022