7. Ostersonntag C 2022
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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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7. Ostersonntag 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

„Alle sollen eins sein, wie wir eins sind.“ So betet Jesus im sogenannten Hohepriesterlichen Gebet. Die Einheit seiner Jünger liegt Jesus also besonders am Herzen. Er wusste, es werden reißende Wölfe in seine Herde eindringen und diese werden versuchen, seine Schafe auseinanderzutreiben und trennende Keile hineinzustoßen. Er wusste, dass der Teufel mit all seinen Kräften die Gläubigen spalten will. Er wusste, dass die Glaubwürdigkeit der Kirche dadurch am meisten leiden würde. Darum betete er inständig um das hohe Gut der Einheit.

Sehr früh jedoch gab es bereits diese Gefahren der Spaltung. Bereits Paulus kämpfte in Korinth gegen solche Spaltungstendenzen. Die einen sagen: Ich halte zu Paulus - ich zu Apollos - ich zu Kephas - ich zu Christus. Ist denn Christus zerteilt?“ (1 Kor 1,12)  Nein! Paulus antwortete: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen.“ (1 Kor 3,6) In den ersten Jahrhunderten gab es weitere Gefahren, die aber Gott sei Dank überwunden wurden, sodass diese Sekten und Irrlehren fast alle wieder verschwanden. Aber unter zwei Spaltungen leiden wir heute noch ganz besonders. Im 11. Jahrhundert war die große Spaltung der Ostkirche von der Westkirche. Und noch schrecklicher war im 16. Jahrhundert die Reformation, da im Hinblick auf die Lehre der Kirche eine noch größere Kluft entstand.

Diese Spaltungen haben die Missionstätigkeit der Kirche behindert, denn das Christentum verliert dadurch an Überzeugungskraft. Die Welt erkennt nicht so leicht, dass der Vater den Sohn gesandt hat. Die Kirche leidet unter dieser Situation. Diese Trennung und Zerrissenheit bereitet uns großen Schmerz.

Gerade in den letzten Jahrzehnten wird der Ruf und die Sehnsucht diese Spaltungen zu überwinden immer stärker. Diese Bemühungen nennt man Ökumene. Wenn wir dieses Bemühen näher betrachten, stellen wir fest, dass es auch die Gefahren eines falschen Ökumenismus, eines falschen Bemühens gibt. Es gibt falsche und richtige Wege die Wiedervereinigung der Kirchen im Glauben zu fördern und zu erreichen.

Ein falscher Weg ist erstens durch Glaubensfanatismus und Gewalt. Wir sollen im friedlichen Dialog aufeinander zugehen.

Ein zweiter falscher Weg ist, seinen eigenen Glauben zu verleugnen und auf Kosten der Wahrheit die Einheit herbeizuzwingen. Manche wollen sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Sie meinen irrtümlich dadurch der Einheit einen Dienst zu erweisen. Zu bedenken ist auch, dass die Wahrheit einerseits nicht immer in der Mitte liegt und andererseits nicht unbedingt immer auf Seiten der Mehrheit zu finden ist.

Der richtige Weg ist, so weit es möglich ist, durch ruhige und sachliche Aufklärungsarbeit falsche Sichtweisen und Vorurteile über die katholische Kirche, die bei anderen Konfessionen manchmal bestehen, zu beseitigen.

Zweitens wollen wir das Gute, das wir in den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften finden, anerkennen und verstärken. Die katholische Kirche betont, dass es viele Wahrheiten auch in fremden Religionen gibt.

Das Wirkungsvollste aber, das wir tun können, wird drittens immer das Gebet und das Bemühen um die eigene Heiligkeit bleiben.

Wer sich um die Einheit müht, der muss zuvor im eigenen Glauben feststehen und sich bemühen seinen katholischen Glauben immer besser kennen zu lernen. Wer einen Dienst an der echten Einheit leisten will, muss informiert sein und unterscheiden können von Unaufgebbaren und Aufgebbaren in der Kirche, von Wesentlichen und Unwesentlichen, von überlieferten Glaubensgut und von Äußerlichkeiten, die sich verändern können. Letztendlich ist der am meisten einheitsstiftend, der durch sein Bemühen, durch das Halten der Gebote und durch sein eigenes Leben Zeugnis für den Glauben ablegt. Der Heilige Geist wird dann die Kirche vor weiteren Spaltungen bewahren und, so hoffen wir, uns so manche Wiedervereinigung schenken. Die Einheit ist sicherlich nicht durch Menschenhand machbar, sondern muss uns auf Grund unseres Betens von Gott geschenkt werden. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022