Pfingstsonntag C 2022
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Pfingstsonntag 2022 C

Messtexte | Word-Dokument

Am 6. Februar 1888 hat der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck eine berühmte Rede gehalten, in der er über den Frieden gesprochen hat, der in Europa gesichert sein soll. Das ist heute ebenfalls ein großes Anliegen geworden. In dieser Rede sagte er folgenden Satz: „Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt.“ Auch wenn Bismarck nicht einmal ein überzeugter Protestant war, ist dieser Satz bemerkenswert, denn in der heutigen Zeit fürchten viele den lieben Gott am wenigsten. Immer wieder schwirren zwar die Ängste herum. Es war die Angst groß in der Pandemie, sich anzustecken und krank zu werden. Es ist die Angst jetzt groß, dass sich der Krieg in der Ukraine ausweitet und der Frieden in Europa in Gefahr ist. Aber die Furcht vor Gott, wie es Bismarck ausdrückte, ist oft nicht da und für viele ist die Gottesfurcht unverständlich. Warum soll ich Gott fürchten? Und dann ist es auch noch eine Gabe des Heiligen Geistes: die Gottesfurcht.

Es ist aber eine Tatsache: Wer Gott nicht fürchtet, der fürchtet sich vor vielem anderen. Es ist die berühmte Heidenangst, die man hat, wenn das Vertrauen zu Gott schwach ist, dass er alles zum Guten lenkt. Selbst die Angst vor dem Teufel soll nicht übertrieben werden, auch wenn Jesus sagt: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht töten können. Fürchtet euch vielmehr vor dem, der Leib und Seele ins Verderben der Hölle stürzen kann.

Zu viel Angst vor dem Teufel kann uns schaden. So wie es schädlich sein kann, wenn ein Kaninchen aus Angst vor der Schlange erstarrt, weil es glaubt, dann nicht gesehen zu werden.

Wir feiern heute Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Eine dieser Gaben des Geistes ist die Gottesfurcht und die muss man richtig verstehen. Die Gottesfurcht ist der Respekt vor dem großen erhabenen Gott. Gottesfurcht hat etwas zu tun mit Ehrfurcht vor der Majestät Gottes. Mose hat voller Ehrfurcht die Schuhe ausgezogen, als aus dem Dornbusch Jahwe zu ihm gesprochen hat und er näher hinging.

Dieser erhabene Gott hat zwar alles erschaffen, ist allerdings auf uns zugekommen, ist Mensch geworden und hat uns nach seiner Himmelfahrt seinen Geist gesandt.

Dieser Geist kam damals in Feuerzungen auf die Apostel herab, und sie fürchteten sich nicht mehr vor den Römern und vor den Juden, sondern gingen mutig hinaus, um den Glauben zu verkünden.

Die richtige Furcht vor Gott ist wichtig, weil wir dann auch Respekt vor der Sünde haben, die Gott beleidigt, sodass wir sie meiden und uns vor den Versuchungen wappnen.

Wie wir alle wissen, kann Furcht nützlich oder schädlich sein. Eine gesunde Furcht kann uns vor Schwierigkeiten und Gefahren schützen. Es gibt Leute, die sind waghalsig und begeben sich dadurch in große Gefahr. Ein Beispiel für eine gesunde und richtige Furcht wäre also diese heilige Ehrfurcht vor Gott, die uns bewusst macht: Ich bin nur ein Geschöpf Gottes. Die Sünde trennt mich vor Gott, deswegen meide ich sie. Diese Ehrfurcht Gottes macht uns nicht mutlos. Denn auf der anderen Seite gibt es eine feige Furcht. Es gibt eine Art Furcht, die einen Menschen daran hindert, etwas für Gott zu tun, was gut und in Ordnung wäre.

Schauen wir einmal in unser Herz und überprüfen wir, welche Furcht in uns vorherrscht. Es ist Menschenfurcht und nicht Gottesfurcht, wenn ich kein Kreuzzeichen im Gasthaus vor dem Essen mache, weil die Leute mich vielleicht komisch anschauen würden. Es ist Menschenfurcht und nicht Gottesfurcht, wenn ich nicht in die Kirche gehe, weil ich dann verspottet werde. Es ist Menschenfurcht und nicht Gottesfurcht, wenn ich keinen Mut habe Nein zu sagen zu dubiosen Vorschlägen von Freunden, die meinen Glaubensvorstellungen widersprechen, weil ich sonst nicht mehr zu ihnen dazugehöre, usw. Die richtige Gottesfurcht gibt uns ein Gottesbild ins Herz, das die Majestät Gottes nicht schmälert. Er ist der Richter über Lebende und Tote. Er hat alles in der Hand. Er schenkt uns den Heiligen Geist. Dieser Geist gibt uns Freude ins Herz, lässt uns dankbar am Sonntag die heilige Messe mitfeiern und mutig zum katholischen Glauben stehen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2022