22. Sonntag im Jahreskreis C 2025
www. Predigtdienst.net
Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
Navigation

22. Sonntag im Jahreskreis 2025 C

Messtexte | Word-Dokument

In der ersten Lesung aus dem Buch Jesus Sirach hören wir den Rat:

„Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden, und du wirst geliebt werden von anerkannten Menschen.“

Es geht um Demut und Hochmut – ein Thema, das auch das heutige Evangelium aufgreift, wenn Jesus sagt: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

Darum möchte ich heute mit euch über die Bescheidenheit nachdenken.

Im Alltag hat dieses Wort einen doppelten Klang: Einerseits gilt Bescheidenheit als Tugend, andererseits bedeutet „ein bescheidenes Ergebnis“ oft etwas Minderwertiges. Vielleicht fällt es uns deshalb schwer, diese Haltung anzustreben – man befürchtet, übersehen oder geringgeschätzt zu werden.

Doch wahre Bescheidenheit bedeutet nicht Schwäche. Wer bescheiden ist, kennt seinen Platz, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Er weiß, wann er reden kann, und wann es besser ist, zuzuhören. Er stellt nicht Ansprüche, die unangebracht sind.

Das beste Beispiel dafür gibt uns Gott selbst: Er kommt in die Welt – nicht im Glanz eines Palastes, sondern in einer Krippe in Bethlehem. Sein ganzes Leben ist geprägt von Einfachheit und Zurückhaltung. Im Gegensatz dazu kritisiert Jesus immer wieder die Pharisäer, die sich auf den Ehrenplätzen sehen wollen und nach öffentlicher Anerkennung suchen.

Bescheidenheit bedeutet Respekt. Sie lässt dem anderen den Vortritt und sieht ihn als Mitmenschen, nicht als Konkurrenten. Sie erinnert uns an die goldene Regel: „Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut auch ihnen.“ Wer selbst Anerkennung wünscht, soll auch anderen Anerkennung schenken.

Doch Vorsicht: Es gibt eine falsche Bescheidenheit. Wenn ich mich kleinrede, nur um Widerspruch und Komplimente zu bekommen, dann ist das keine Demut, sondern versteckter Stolz. Es ist wie ein aufgeblasener Luftballon, auf dem großspurig „Demut“ steht – und doch nur Hochmut im Inneren verbirgt.

Es ist so, wie bei der Fabel von dem Frosch, der groß sein wollte wie der Ochse: er bläht sich auf, bis er platzt.

Echte Bescheidenheit dagegen bleibt schlicht. Sie macht sich nicht kleiner, als sie ist, sondern bleibt auf dem Boden der Tatsachen. Sie erkennt: Alles, was ich habe – meine Fähigkeiten, meine Herkunft, meine Tugenden – ist letztlich Gabe Gottes.

Darum gilt: Sprich nie von deinem Lob oder deiner Leistung, außer es dient dem Guten. Und wenn du es tust, dann in Demut und mit Dankbarkeit gegenüber Gott, dem Geber aller Gaben.

Bitten wir ihn, dass wir diese Haltung der echten Bescheidenheit leben können – still, ehrlich und dankbar. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2025